Zum vierten Mal! – Eine Nachlese

Der Literarische Wandertag 2018 mit dem Thema „Literatur an der Grenze“

Von Kay Ganahl

Manchmal meine ich, dass er öfter stattfinden sollte! Es gelingt nämlich immer besser, das literarische Wandern in der freien Natur zu einer Art „kulturellem Vergnügen“ zu gestalten, so dass die AutorInnen des Freien Deutschen Autorenverbandes/NRW und der Solinger Autorenrunde plus GastautorInnen plus Gäste von der unterhaltsamen Lockerheit angetan sind, die eben auch in den literarischen Werken steckt, ohne dass ernste Inhalte auf dem Weg zum Zuhörer verlorengehen.

Jedes Jahr sind wir woanders. Und es soll immer wieder alles neu und noch interessanter sein! Dieses Jahr fand er – am 8. Juli 2018, 15 Uhr – in der Grünanlage Bärenloch nahe der Solinger City statt. Die „Literaturgemeinde“ traf sich zunächst einmal in der Hofschaft Stockdum.

Allein auf dem Gebiet der Stadt Solingen gibt es eine bunte Vielzahl von Möglichkeiten, den Literarischen Wandertag konkret auszugestalten. Im Rückblick: 2015 wanderten wir von Solingen-Unterburg bis in den Brückenpark, der an der Grenze zu Remscheid liegt. 2016 war es der Coppelpark, von wo aus wir über die Korkenziehertrasse bis in den Südpark (am Alten Hauptbahnhof) hinein wanderten. Und letztes Jahr begannen wir im historischen Ortskern Gräfraths, um dann, das Klingenmuseum hinter uns lassend, durch die angrenzende Heide zu wandern. Immer machte es Freude. Immer blieb uns allerdings auch das schöne Wetter treu. Ich möchte nicht ins Schwärmen kommen … Der Bärenloch-Park in Solingen ist vor Jahren zu einer groß angelegten Anlage für den Wanderer, Spaziergänger, aber auch zum Spielen für Kinder umgebaut worden. Ich bin geneigt, hier sogar von einer „geplanten und realisierten Idylle“ zu sprechen. Denn auf den gut ausgebauten Wegen, vorbei an diversen Sport- und Spiel-Einrichtungen, lässt sich die Natur in Ruhe erkunden.

Das frohe Spielen der Kinder stört dabei keinesfalls. Übrigens auch dann nicht, wenn die Gruppe der literarischen Wanderer geschlossen der geplanten Wanderroute folgt: Alle bewegten sich letzten Sonntag von Punkt zu Punkt. Es gibt nämlich diese Literaturpunkte, die vom Organisator im Vorfeld für jede Autorin, jeden Autor eingerichtet wurden. Die Gegebenheiten vor Ort legten es auch dieses Jahr im Bärenloch-Park einfach nahe, die eine oder andere geeignete kleine Örtlichkeit auszusuchen, wo die AutorInnen ihre Werke vorlesen sollten. Und mancher ließ sich dann auch, der/die VorleserIn wie einige aus der Schar der Zuhörer, so hatte ich den Eindruck, von der sommerlichen Pracht der Natur überraschen. Dabei war es wohl so, dass die Natur nicht von literarischen Inhalten ablenkte, sondern sie verstärkte – Zuhören und Zusehen sogar noch erleichterte. Die literarischen Werke der geladenen AutorInnen wurden, intensiv und fesselnd vorgelesen, noch schneller erfassbar! Menschen und Literatur und Natur waren eins!

Nun zu den Leseauftritten der AutorInnen zum diesjährigen Thema „Literatur an der Grenze“  … es sei mit der Autorin des 5. Literaturpunktes angefangen: Wie jedes Jahr kam Martina Hörle von der Solinger Autorenrunde, die vor Steinplatten nahe der Skater-Anlage unter anderem den Essay „Invasion an der Wupper“ las – die „Wupperorchidee“ verdrängt die anderen Pflanzen in der Wupper. Ein hochinteressanter Stoff. Zuvor hatte an dem 4. Literaturpunkt („Rastplatz“) der Autorenrunde-Neuzugang Annette Oppenlander „Der Bunker“ (Kriegserinnerungen ihres Vaters) vorgelesen. Oppenlander, die dreißig Jahre in den USA lebte und dort in Englisch schrieb und veröffentlichte, ist nun wieder in Solingen, um in ihrer Muttersprache zu schriftstellern. Die 2. Landesvorsitzende des FDA-NRW, Marlies Strübbe-Tewes aus Unna, hatte zuvor eine spannende biografische Kurzgeschichte bei den großen Steinen unmittelbar beim Kinderspielplatz vorgelesen, Titel: „Das Loch im Zaun“. Die Zuhörer waren begeistert, denn es wurde auch nicht an Humor gespart. Andreas Erdmann – Redakteur, Autor und eben auch Mitglied der Solinger Autorenrunde – amüsierte mit einem Text in Solinger Platt die Mitwanderer, hatte dann noch die Geschichte „Im Rosenbaumwald“ vorgelesen, die im Himalaya spielt. Ganz zu Beginn der Wanderroute überzeugte die Solingerin Christiane Trunk im umhegten Eingangsbereich des Bärenlochs mit authentisch- anrührenden Tagebucheintragungen zum Thema Alltag in der Psychiatrie.

Nach Annette Oppenlanders Lesung landeten wir in Reihenfolge am „6. Literaturpunkt Teich 1“. Es las dort Beate Kunisch, die in den Jahren 2017 und 2018 unter anderem in den Literaturradio-Produktionen Solingens organisatorisch und literarisch aktiv ist. Sie kam mit „Happiness is a warm gun“, der Geschichte eines jungen Machos. An dem folgenden Literaturpunkt „Lagerstätte“ (Grillplatz), auf einem Hügel gelegen, las ich, Kay Ganahl, der diesen Literarischen Wandertag organisierte, stellvertretend für meinen FDA-NRW Kollegen, den Landesvorsitzenden Dr. Manfred Luckas. Seinen Rap-Text „Mehr Wasser/ Meerwasser“ versuchte ich dann auch ein wenig „rappend“ herüberzubringen, was mir wohl einigermaßen gelang. Schon inhaltlich ist dieser Text aus Versatzstücken der Weltliteratur eine Herausforderung an die Lachmuskeln – auf hohem Niveau. Als Gastautorin trat auf dem großen Platz oberhalb des Grillplatzes die Wuppertaler Autorin Martina Sprenger auf, welche schon beim 1. Literarischen Wandertag begeistert mitwanderte.  „Reinlichkeit kann töten“ war ihr Beitrag für diesen 4. Literarischen Wandertag.

Nach weit mehr als zwei Stunden mit „Literatur an der Grenze“ setzte ich als derjenige, der die Ernsthaftigkeit eines jeweiligen literarischen Anliegens immer wieder betont, den Schlusspunkt. Und am Literaturpunkt „Teich 2“, im Zentrum des Bärenlochs, gewährte ich meiner Liebe zu dem Prager Schriftsteller Franz Kafka gezielt Ort, Zeit und Raum! Der literaturhistorische Essay „Franz Kafkas Blickwinkel“ soll nämlich erhellen, dass die Werke Franz Kafkas – nach dem 1. Weltkrieg entstanden – auf unser Heute prophetisch hinwiesen. Außerdem gab ich aus meiner Feder eine Mystery-Geschichte und eine prosaische Anleihe an den „Dachkammerdichter“ zum Besten.

Teneja Skrget aus Solingen, die während der dreistündigen literarischen Wanderung zur Gitarre sang, bereicherte die bunte Mischung der literarischen Beiträge um bekannte Popsongs. Sie sorgte zwischen den Auftritten der AutorInnen zusätzlich für gute Stimmung. Die 20 „literarischen Wanderer“ wurden von mir schließlich mit Dankesworten verabschiedet, wobei ich nicht vergaß, auf die Veranstaltungsplanung des Jahres 2019 hinzuweisen – es wird sicher einen 5. Literarischen Wandertag geben. Doch ist noch nicht heraus, in welcher Stadt er stattfinden wird.

(© Kay Ganahl, 2018)

4. Literarischer Wandertag: „Literatur an der Grenze“

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(Quelle: SolingenMagazin 09.07.2018)

Literarische Grenzüberschreitungen im Bärenloch

SOLINGEN (mh) – Nicht um Grenzen der Literatur, vielmehr um literarisch geschilderte Grenzüberschreitungen ging es beim „4. Literarischen Wandertag“, zu dem die Solinger Autorenrunde gemeinsam mit dem Freien Deutschen Autorenverband NRW (FDA) eingeladen hatte.

An neun ausgesuchten Lesestationen präsentierten die Autoren ihre Texte zum Thema „Literatur an der Grenze“. Dabei spannte sich der Bogen von alltäglichen Situationen über Kriegserinnerungen bis hin zur Fantasy-Literatur.

Neun Lesestationen im Bärenloch

Grenzen fordern heraus, überschritten zu werden. Welche Grenzen muss der Mensch wahren? Wo stößt das Denken an Grenzen? „Jeder, der spricht oder schreibt, setzt sich seine eigenen Grenzen“, so Organisator Kay Ganahl. Der Autor ist Mitglied der Solinger Autorenrunde und des FDA.

So machte sich eine 20-köpfige Gruppe auf den etwa dreistündigen Weg durch das Bärenloch. Christiane Trunk eröffnete den literarischen Reigen mit einer tagebuchähnlichen Schilderung eines Patienten in der Psychiatrie. Ständiger Wechsel zwischen Unternehmungsfreude und Depression. Ein nicht ganz leichter Stoff, doch ging es der Autorin vor allem darum, Vorurteile abzubauen.

Andreas Erdmann sorgte mit einer humorvollen Einleitung in Solinger Mundart für viel Gelächter und Applaus. Dann nahm er die Zuhörer mit nach Asien zu einer Bergbesteigung. Der unheimliche Weg führte durch den Rosenbaumwald und seine Geister. Deren Identität wurde später gelüftet und sorgte für Verblüffung.

Auf eindrucksvolle Weise beschrieb Annette Oppenlander in ihrem Werk „Der Bunker“ Kindheitserlebnisse im Brühler Bunker aus Sicht ihres Vaters.

Von Mystik bis Kriegskindheit

Auch bei Martina Hörle wurde es mystisch. Ein junger abenteuerlustiger Mann folgte einer Gestalt auf den Burgturm. Am nächsten Morgen fand man einen Toten. Danach gab die Autorin einen kurzen Überblick über die „Invasion an der Wupper“.

Marlies Strüwwe-Tewes schilderte in „Das Loch im Zaun“ ihre erste Berührung mit den Grenzen in Form eines Gartenzauns. „Heute sind die häufigsten Begrenzungen die Geschwindigkeitsbegrenzungen im Straßenverkehr“, schmunzelte die Autorin des FDA.

In „Happiness is a warm gun“ erzählte Beate Kunisch von einem jungen Macho, der mit Vorliebe nach kurzer Zeit seine oft parallel laufenden Amouren per WhatsApp beendete. Auch zu einer jungen Frau, die ihm mehr bedeutete, als er geglaubt hätte. Die Geschichte endete mit einem Suizid.

Gastautorin Martina Sprenger gab ein fast schon eklig-amüsantes Beispiel dafür, dass zu viel Reinlichkeit töten kann. Die Reaktion der Zuhörer war eine Kombination aus „Iiii“ und herzhaftem Lachen.

Liquide Collage begeisterte

Autor und Organisator Kay Ganahl hatte gleich zwei Auftritte. Für seinen Kollegen Manfred Luckas, Vorsitzender des FDA, der leider kurzfristig absagen musste, trug Ganahl eine liquide Collage in zwei Teilen vor. Der Rap „Mehr Wasser / Meerwasser“ war ein gelungener Mix aus literarischen Auszügen und bekannten Songtiteln. Da ging es um den Kapitän, der viel Wasser schlucken musste, um in seinem Element zu sein oder um Brecht, der von Moby Dick abschrieb, ohne mit der Wimper zu klimpern.

Mit Songs wie „Fields Of Gold“ oder „Venus“ begleitete die Musikerin Teneja mit Stimme und Gitarre die Literaten auf ihrer Tour durch die Grünanlagen und gewann gleich einen neuen Fan. Ein etwa dreijähriges Mädchen war ganz fasziniert und konnte sich kaum von der Sängerin trennen.

Literaturwanderung auch im nächsten Jahr

Die literarische Erkundung fand am Teich einen gelungenen Abschluss. In seinen eigenen Texten berichtete Ganahl von der nötigen Selbstdisziplin beim Schreiben und von einem Buch, das gelesen werden wollte. „Im kommenden Jahr wird es sicher einen „5. Literarischen Wandertag“ geben“, kündigte der Autor an. „Möglicherweise auch mal in einer anderen Stadt.“

 

SG 24h live2018 – Studiowelle 2

Am Samstag, 23. Juni, waren Kay Ganahl, Karla J. Butterfield und Martina Hörle bei der Studiowelle 2 zu Gast. Das ehrenamtliche Radio im Klinikum präsentierte sich bei Solingen 24 Stunden live und hatte dazu auch die Solinger Autorenrunde eingeladen.

Es war sehr interessant und hat einen Riesenspaß gemacht.

Hier ist ein Mitschnitt unserer Geschichten. Wer mag, kann gerne reinhören.

Monatsgeschichte für den Monat Juli 2018

Fang die Sau
(Pierre erzählt)

Mein Vater war der liebeswerteste und verständnisvollste Vater, den ich mir je wünschen konnte. Bis auf den Tag an dem Cochonette geboren wurde und Oma Lisa rote Wangen bekam. Da verwandelte er sich in einen wütenden Stier.

Unsere Familie, das heißt. meine Eltern, Oma Lisa, meine drei jüngeren Schwestern, Marie, Sophie, Toinette und ich, der Älteste, hatten eine Metzgerei auf dem Platz eines kleinen Städtchens namens Poitiers in den Limouren.

Während unser Vater im Laden stand, unsere Mutter im Wohnzimmer am Klavier Sonaten klimperte und Oma Lisa in der Küche hantierte, lungerten wir Kinder auf der Strasse oder im Hof herum. Nachdem wir uns lange genug gelangweilt hatten, erfanden wir dann die mannigfaltigsten Spiele. Wir besaßen wenige Spielsachen. So mussten wir uns mit Steinen, Eimern, Erde, Stühlen oder Flaschen, also allem, was herumstand, begnügen. Jeden Tag erfanden wir neuere und bessere Spiele.

Ein Spiel aber war das beliebteste Spiel von allen. Es hieß „Fang die Sau“.

Sobald wir sicher waren, dass die Erwachsenen im Laden oder im Haus beschäftigt waren, rannten wir los, öffneten das große Tor zum Kühlraum der Metzgerei, sprangen auf die an beweglichen Haken hängenden Schweinehälften, die sich sofort in Bewegung setzten, denn die Haken waren in langen an der Decke befestigten Schienen verankert, und düsten in einem Affentempo von der einen Seite des Kühlraumes zur anderen. Das war aber noch nicht alles. Während des Gleitens musste man die Schuhsolen in einen der Eimer eintauchen, in denen sich blutige Innereien befanden, dann die Beine strecken und an der weißgekachelten Zielwand einen blutigen Fußabdruck hinterlassen. Danach kam es zur Siegerehrung. Derjenige, dessen Schuhabdruck am höchsten war, war der Sieger und hatte somit beim Abendessen die Wahl, von einem der anderen den Nachtisch einzufordern, oder zu bestimmen, wer seine gehasste Spinatportion aufessen muss.

Die Eltern durften auf keinen Fall von unserem Lieblingsspiel erfahren. Soweit reichte ihre Liebe nicht. So wuschen wir jedes Mal die Sohlen und die gekachelte Wand wieder blitzblank.

Eines schicksalhaften Tages aber hörten wir von oben aus der Wohnung ein lautes Jammern und Wimmern.

„Wir bekommen ein Kätzchen“, freute sich Toinette.
„Oder ein kleines Schweinchen!“, rief voll Begeisterung Sophie.

Und so rannten wir hoch zu unseren Eltern, um das Geschenk entgegen zu nehmen und vergaßen, die Spuren unseres Spiels zu beseitigen.

Oben im Schlafzimmer lag unsere Mutter im Bett und hielt ein rosiges, pausbackiges Schweinchen im Arm. Das Schweinchen spuckte, quiekte und schrie so laut, dass die rosige Haut purpurrot wurde.

Zu unserem Erstaunen erfuhren wir, dass dies nicht das von uns heiß ersehnte Haustier war, sondern unsere kleine Schwester, die zur allgemeinen Belustigung den Namen Cochonette (Schweinchen) erhielt.

Während sich aber die ganze Familie um das Baby versammelte, spielte sich unten im Kühlraum eine dramatische Szene ab. Im offenen Tor des Kühlraumes erschien ein Mann im dunklen Anzug und Hut mit einem dicken Heft unter dem Arm. Dieser schwarze Herr war vom hiesigen Ordnungsamt.

Die weiteren Gegebenheiten kann ich nicht chronologisch wiedergeben, denn mein Unterbewusstsein hat sie als besonders schmerzhaft im hintersten Winkel meiner Seele vergraben.

Lebhaft erinnern kann ich mich aber an Vaters schwarzen Regenschirm, der direkt nachdem der Ordnungsbeamte gegangen war, auf meinem Rücken herumtanzte. Schlimmer noch, am Abend, als meine Schwestern schon schliefen, bekam ich vom Vater eine Predigt, dass ich als Ältester völlig versagt hätte.

Bis in die tiefe Nacht stritten sich meine Eltern im Schlafzimmer. Meine Mutter schrie meinen Vater an, er solle mit der Kinderfabrikation endlich aufhören, dann hätte sie mehr Zeit für jeden Einzelnen von uns. Mein Vater warf ihr das ewige Klaviergeklimpere vor, das zu nichts nütze und nur ihre wertvolle Zeit koste. Ich lag lange wach im Bett und fühlte mich verantwortlich.

Alles das hätte ich noch wegstecken können. Als ich aber im Flur des Gerichtsgebäudes am Tag der Verhandlung Tränen in den Augen meines Vaters sah, wünschte ich mir, ich wäre tot. Die Verhandlung war schnell vorbei. Mein Vater musste eine satte Strafe bezahlen und monatliche Kontrollen des Ordnungsamtes über sich ergehen lassen.

Wäre Cochonette nicht gewesen, die auf dem Rückweg im Auto im Arm meiner Mutter lag und vergnügt grunzte und schmatzte und ihre Händchen um unsere Finger schloss, wäre unsere Familie nie wieder glücklich geworden.

Als wir nach Hause zurückkehrten, kam uns Oma Lisa mit geröteten Wangen entgegen und berichtete aufgeregt, dass sie heute einen enormen Umsatz erzielt hätte. Alle kamen in den Laden, denn sie waren neugierig, was bei der Verhandlung herausgekommen war und kauften ordentlich ein. Das stimmte meinen Vater wieder milder. Beim Abendessen legte er mir den Arm um die Schultern und zwinkerte mir verschmitzt zu.

© Karla J. Butterfield

 

Monatsgeschichte für den Monat Juni 2018

Auch so ein Stalking

Sie lief ihm nach. Das war nicht zu übersehen. Ich beobachtete beide, wie sie auf dem Bürgersteig – eine junge, etwa zwanzigjährige Frau hinter einem eher Fünfzigjährigen – unterwegs waren. Die im Ort als „Büchertante“ verschriene Frau, die sich vorgenommen hatte, diesen Menschen für sich selbst zu vereinnahmen, ließ seit Tagen nicht locker. Sie hatte es ja überall verkündet. Und er konnte das, was sie tat, so nahm ich in diesen Augenblicken als Beobachter an, nur als Stalking wahrnehmen. Ich beobachtete ganz genau: Sie war jetzt nur ein paar Meter hinter ihm. Ihr gelber Jeansrucksack, in dem sie irgendetwas Schweres transportierte, war an der Seite schon leicht eingerissen. Schaute ein Buch heraus? In ihrem verzerrten Gesicht las ich die blanke Wut. Ich dachte aber nicht, dass sie Böses beabsichtigte, denn sonst hätte ich eingreifen müssen.

Der verfolgte Hans blickte sich nervös um, wenn nicht sogar etwas ängstlich. Was er wohl dachte? Sie stieß dann einen Fluch aus, woraufhin er weiterstrebte. Offensichtlich stark verunsichert. Dann geschah es: Sie nahm den Rucksack herunter, um ihn dem Mann in den Rücken zu werfen, so dass er vornüber auf den Bürgersteig stürzte. Ein lauter Aufschrei! Alsdann fiel sie über ihn her. Die sportliche junge Frau setzte ihm ordentlich zu. Er wehrte sich kaum dagegen.

Die Hilfeschreie hörte keiner, nicht einmal ich. Jedenfalls wollte ich ihm nicht helfen. Und so machte sich bei mir das schlechte Gewissen bemerkbar. Ich lief zu beiden hin, und dann riss ich den gelben Rucksack von beiden weg. Ich öffnete ihn in einem nahen Hauseingang. Was ich an Sachen erblickte, erstaunte mich durchaus: Einige Bücher. Durfte mich das denn erstaunen – ? Sie war doch die „Büchertante“. Der Kampf der beiden ging ohne mein Eingreifen weiter, noch lauter gar.

Und ich setzte mich mit einem der Bücher in Händen auf die Treppe des Hauseingangs, wo ich mich in die schön gedrechselten Sätze dieses Goethe vertiefen konnte …

© Kay Ganahl, 2016.

„Literatur an der Grenze“ – 4. Literarischer Wandertag

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Die Mitglieder der Solinger Autorenrunde werden auch in diesem Jahr wieder einen Literarischen Wandertag veranstalten. Er führt uns führt uns durch die weitläufige Freizeitanlage Bärenloch in Solingen.

An speziell ausgesuchten Leseplätzen werden wir eine kleine Auswahl unserer eigenen Texte zum Besten geben. Teneja wird uns mit ihrer Musik begleiten. Mehrere Mitglieder des FDA sind zu unserer großen Freude auch wieder mit dabei. Natürlich sind wir bestrebt, möglichst viele Gäste zu begrüßen. Jeder Literaturinteressierte ist willkommen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Bis jetzt wirken mit:

Manfred Luckas  (Landesvors. FDA-NRW, Köln)
Marlies Strübbe-Tewes (2. Landesvors. FDA-NRW, Unna) – Mitwirkende oder Gast
Kay Ganahl (FDA-NRW und Solinger Autorenrunde)
Beate Kunisch
Martina Hörle
Andreas Erdmann
Christiane Trunk
Annette Oppenlander (alle Solinger Autorenrunde)

Und als Gäste sind mit von der Partie: Martina Sprenger (Wuppertal) und Christiane Rühmann (Mülheim/R.)

Veranstaltung: 8. Juli 2018
Treffpunkt:
 Freizeitanlage Bärenloch
Uhrzeit: 15 Uhr
Dauer: Ca. 2,5 Stunden

Die Solinger Autorenrunde in Langenfeld.

Am 26. Mai 2018 lasen die beiden Autoren Kay Ganahl und Saga Grünwald im Rahmen einer Vernissage der Künstlergruppe „Die Falter“.

Die Ausstellung im Showroom des Langenfelder Marktkarrees drehte sich um „Fake News“. Die Künstler hatten sich intensiv mit diesem Thema befasst und Nachdenkliches wie Kurioses in Bildern, Fotografien und Skulpturen ausgewählt. Auch die Autoren lehnten sich mit ihren Texten an dieses Thema an.

So verbanden sich Malerei und Literatur zu einer wunderbaren Symbiose.

(Foto: © Saga Grünwald)

Monatsgeschichte für den Monat Mai 2018

Die Sprache der Steine

Jenseits der Worte sprechen die Steine.

Und haben die Worte, Worte um Worte,
dich an den Rand deiner Sprache getrieben,
stehe nicht stumm am Ende der Welt,
stehe nicht – gehe! Geh zu den Steinen,
besprich dich mit ihnen.

Und sprechen die Steine
und worten sich dir, worten sich
und ihre sagenhafte Geschichte,
werden sie aus dem Gewand ihres Namens schlüpfen
wie schillernde Falter aus dem Kokon.
Auch dein Name wird fallen, – er fällt,
fällt von dir ab wie ein lumpiger Fetzen.
Dann bist du licht, bist gelichtet,
und dein Aug ist nicht länger verschleiert.
Denn die Sprache der Steine enthüllt.

Und wenn auf Erden die Steine regieren,
währt ihre Sprache für ewig.
Dann weht das Wort, das furchtbare Wort,
nicht mehr als Trauerflor über dem Land –
und weht kein Schleier mehr über der Wüste –
und ist der Himmel über den Gräbern
nicht mehr verschlossen
sondern steht offen, weit offen
für alle.

© Andreas Erdmann

Monatsgeschichte für den Monat April 2018

Berge haben Charakter

Seit Anbeginn aller Zeit gibt es Berge, steinerne Zeugen von Vergangenheit und Gegenwart. Unbeirrt stehen sie da, reglos und schweigsam. Doch sind sie nicht tot, wie man meinen möchte. Oft machen sie durch spektakuläre Aktionen von sich reden, manche mehr, andere weniger.

Hier zeigt sich die Unterschiedlichkeit der Charaktere. Allen voran das Matterhorn. Eigensinnig und dickköpfig will es verhindern, dass Menschen auf ihm herumklettern. Nicht umsonst trägt es den Beinamen „König und Killer der Alpen“. Kein anderer Berg hat bislang so viele Opfer gefordert.

Die Annapurna steht ihm in nichts nach. Der weibliche Todesberg aus dem Himalaya hat einen extrem lawinenreichen Lebenslauf. Das „Dach der Welt“, der Mount Everest, will partout vermeiden, dass ihm die Menschen aufs Dach steigen. Er ist ein außerordentlich intoleranter Achttausender. Trotzdem hat er sich gegen viele Menschen nicht durchsetzen können. Schließlich muss auch die Eiger „Mordwand“ mit ihren Launen Beachtung finden.

Doch sollte man nicht davon ausgehen, dass alle Berge bösartig sind und den Menschen schaden möchten. Manchmal wehren sie sich nur mit den ihnen gegebenen Möglichkeiten. So auch der Mount McKinley in Alaska. Er lässt die Bergsteiger nicht abstürzen und setzt keine Lawinen ein. Er nutzt seine klimatischen Möglichkeiten, wie Kälte und orkanartige Stürme. Passiver Widerstand führt auch zum Ziel.

Andere Berge dagegen heißen Menschen willkommen. Die Lachenspitze ist ein wahrer Bilderbuchberg, der dem Bergsteiger keine Probleme macht und ihn auch noch mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Ebenso gastfreundlich ist der Kärntener Dobratsch, der den Bewohnern der Gegend als Hausberg sehr ans Herz gewachsen ist. Er macht es den Wanderern leicht, seinen Gipfel zu erreichen. Und dann schenkt er ihnen einen Blick, der jede Anstrengung wert ist.

Wieder andere wollen den Menschen helfen, soweit es ihnen möglich ist. Seit hunderten von Jahren geben sie her, was in ihnen steckt, und legen ihre Zugänge zu Schätzen wie Silber oder Kupfer offen. Diese Geschenke sind von großer Bedeutung für die Menschen. Tatsächlich konnte durch Zinn, Blei und Antimon eine ölhaltige Tinte hergestellt werden, die dann von einem Gutenberg genutzt werden konnte.

(© Martina Hörle: Aus der Anthologie „Der Berg bewegt sich“.)

Monatsgeschichte für den Monat März 2018

Im Exil

Eine Kurzgeschichte von Andreas Erdmann.

Berlin im kalten Dezember 1976. Frühmorgens, um Viertel vor Fünf, verlassen drei Menschen im Ostteil der Stadt ihre Wohnung: Der Lyriker Thomas Brasch, seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Katharina Thalbach und die kleine Anna hasten im langen Schatten der Mauer zum Bahnhof Friedrichstraße: „Ist es wahr?“, will der Grenzbeamte der DDR von Thomas wissen, „Genosse Honecker hat Sie persönlich verabschiedet?“  – „Ja, und zwar mit Respekt und mit Handschlag.“ – „D… Dann, auf Wiedersehen!“, stammelt der Volkspolizist und lässt sie passieren. Sie kommen zum Bahnsteig. Sie steigen ein in die erste S- Bahn des Tages, sitzen und warten. Da! der Wagen ruckt an, und sie fahren über die Mauer hinweg von Deutschland nach Deutschland.

Gegen halb Sechs trafen die Drei, mit ihren wenigen Habseligkeiten, am Bahnhof Zoo in Westberlin ein. Ein Reporter trat auf sie zu: „Also wurden, nach Biermann, auch Sie ausgebürgert?“ Nein, gab Thomas, im Laufschritt, zur Antwort, die Behörden hätten ihnen endlich den Ausreiseantrag bewilligt. „So sind Sie freiwillig hier im Exil?“
Thomas blieb stehen und sah den Mann an: „Jeder Mensch lebt im Exil“, sprach er, mit zitternder Stimme. „Ein jeder von uns, hier wie jenseits der Grenze, ist heimatvertrieben, verjagt aus dem Land seines Herzens.“
„Hallo, ihr Lieben!“, vernahmen sie mit einem Mal einen Ruf aus dem Halbdunkel: „Willkommen im Westen!“ Der Schriftsteller Friedrich Christian Delius kam ihnen auf der Treppe entgegen. Befreites Lachen. Umarmungen. Küsse. Delius trug den Koffer zum Auto. Dann fuhr er Kathi und Anna zu ihren Verwandten nach Tegel. Thomas nahm er in seine Wohnung mit.
Nach dem ersten Schluck Kaffee sprang Thomas auf, wollte telefonieren. „Wen willst’ n anrufen?“ – „Den Jörg Mettke vom ‚Spiegel’, Herrn Schneider und… all meine Freunde im Westen.“  – „Aber Thomas! Die schlafen noch um diese Zeit.“ – „Ja, und?“, lachte er und griff schon zum Hörer, „dann werd ich sie wecken!

Ein paar Wochen später lebte Thomas mit Kathi und Anna in einer eigenen Wohnung. Dort empfing er den westdeutschen Autor Georg Stefan Troller, begleitet von einem Kameramann, Carl Friedrich Hutterer. Sie planten einen Fernsehbericht über den Ex- DDR- Dichter.
„Sehn Sie sich um! Ich brauche nicht viel, weder Schränke noch Heimat“, grinste der Literat. Er führte sie durch die halbleeren, mit spärlichen Möbeln und Kisten eingerichteten Zimmer. „Ich wohne ja in den Räumen der Sprache.“

Troller und Hutterer saßen wartend auf wackligen Stühlen. Thomas ging auf dem Flur auf und ab. Telefonierte mit Theaterregisseur Bondy. Führte dann ein Gespräch mit Katharina, flüsternd im Nebenraum. Endlich kam er zu ihnen, reichte Kaffee, ließ sich bei ihnen nieder.
Viel besser als in der DDR, erklärte er, fühle er sich in der BRD nicht. „Da komme ich aus einem Land, das seine Schmerzen durch Ideologie nicht zu lösen versteht, und lande in einem anderen, das sie durch Geld auch nicht löst.“
Troller verwies auf die Unterschiede.
„Allerdings, die sind krass! Andererseits… Ob ich durch West- oder Ostberlin gehe, erlebe ich hier wie dort Menschen an Orten, die, wie schon Brecht sagte, eigentlich nicht bewohnbar sind“, sagte Thomas und senkte den Blick. „Wohnsilos, Kaufhäuser, Fluchten von Straßen… Stätten, an denen der Mensch sich verliert und sich letztlich nur noch an seiner Arbeit festklammert. Und in diesem Punkt“, er blickte auf, „bin auch ich angeschlagen.“
„Sie arbeiten wieder?“ fragte ihn Troller. -„Ja, ich hab mit der Arbeit an meinem ersten westdeutschen Gedichtband begonnen.“  Wie viele Gedichte er denn schon hier geschrieben habe? „Im Westen?“, meinte er, etwas verlegen, „ehrlich gesagt, noch kein einziges. Es ist seltsam, ich konnte bislang hier nicht schreiben.“ Wie gehe das zu, ein Gedichtband ohne Gedichte? „Nun, es wird es eine Sammlung mit früheren Texten, die ich überarbeite…“ Thomas erhob sich und trat an die Fensterbank, nahm seinen Fotoapparat in die Hand und erklärte: „Sehen Sie, dazu schieße ich Fotos. So mache ich erst mal Bilder statt Worte. In Worte kann ich das, was ich im Westen erfahre, bislang nicht fassen. Es ist unbeschreiblich.“

Klack! Klack! Klack! – Thomas stand auf dem Kurfürstendamm und fotografierte Fassaden von Kaufhäusern, Schaufenster, Türen.
„Tja, so schaut’s aus in diesem großen Kaufhaus des Westens“, sprach er zu Troller und Hutterer, kehrte sich um und lichtete – Klack! die automatische Schiebetür zu einem Autohaus ab. „All diese Türen im Herzen der Stadt“, erläuterte er, „dienen nicht mehr der Begegnung von Menschen sondern einzig dem Kundenfang. Und alle Menschen hier leben offensichtlich nur noch davon, zu kaufen und zu verkaufen.“ Sprach’ s und grinste in Hutterers laufende Kamera: „Genauso wie wir. Wir verkaufen ja Brasch!“
Solch einen Eindruck, so Troller, bekäme man wohl, wenn man sich nach den Jahren des Mangels im Osten plötzlich im Überfluss wiederfände?
„Aber in Westen herrscht doch derselbe Mangel!“, gab Thomas zurück, „er wird nur vom Warenstrom überdeckt. Jenseits der Mauer ist sichtbarer, dass etwas fehlt, und darum erscheint ein Land wie die DDR in Westeuropa so unpopulär.“
„Sie sprechen vom Mangel am Wesentlichen…?“ – „O ja, natürlich!“ – „Sie meinen, man kauft all diese Dinge weil man eines – Liebe nicht kaufen kann?“
„Liebe, auch Freundlichkeit und Vertrauen, Achtung und Lebensmut… all dies, woran es den Menschen heut fehlt, ist nicht käuflich“, sagte er, schaute sich um in der Einkaufstrasse, „aber die bessere Stereoanlage!“, fügte er an und fotografierte – Klack! Klack! – ins Schaufenster eines Rundfunkgeschäfts.

Die Männer gelangten zum Breitscheidplatz. Da hob Thomas den Blick, schaute auf zum zerbombten Turm der Gedächtniskirche und sagte, im bitteren Ton: „Germania ist von den Narben der deutschen Geschichte gezeichnet. Die alte Dame leidet so schwer an den tiefen, klaffenden Wunden des über Jahrhunderte dauernden Krieges. Dazu das Blut nach jenem ungeheueren Blutbad des Naziregimes… Bis auf den heutigen Tag ungestillt…“ Troller schwieg, starrte auf die Ruine.
„Man müsste die kranke Dame behandeln“, sprach Thomas. „Aber Germania leugnet den Schmerz. Sie benimmt sich wie eine seltsame, alternde Schauspielerin, geht in die Maske und lässt sich im Osten Schicht um Schicht Schminke auftragen. Dazu den Duft verstorbener Geister…“ – „Und bei uns im Westen?“, fragte Hutterer.
„Ach!“ Thomas blickte sich um, „da schüttet man massenhaft Geld in Germanias Wunden, worunter sich alles nur noch mehr entzündet.“
„Mal zu uns beiden“, sprach Troller zum Ende der Dreharbeiten, „ich habe den Eindruck, Sie fühlen sich vom Fernsehen ausgebeutet?“
„Nein. Allerdings geht es bei Ihnen zu wie im Restaurant: Sie sind der Kellner, die Fernsehzuschauer sind ihre Gäste, und ich bin das Schnitzel.“
Troller grinste bei dem Vergleich, und Thomas fuhr fort: „Die Frage ist, ob Sie das Schnitzel so zubereiten, dass es den Gästen auch schmeckt.“
„Sie meinen, ob es nach Schnitzel schmeckt? und Sie authentisch sind?“
„Nein, dass Geschmack dran kommt, wenn auch nur Würze.“
Ihm gehe es aber um Authentizität, verwehrte sich Troller: „Ich möchte, dass es nach Ihnen schmeckt…“
Thomas erbleichte, senkte den Blick: „So spricht der Menschenfresser!“

„Und?“ fragte ihn Katharina am Abend, „wie ist die Sache mit Troller gelaufen?“
„Weiß nicht“, Thomas zuckte die Schultern. „Ich war etwas frech zu  ihm.“
„Kommst du denn mit deiner Arbeit voran?“
„Die Fotos gehen mir gut von der Hand. Doch mit dem Dichten ist’s furchtbar. Mir scheint, ich kann nicht mehr schreiben.“
„Vielleicht ist die Sprachlosigkeit nur bezeichnend für diesen Ort, diese Zeit.“
„Tja, man sucht noch zu schreiben, zu sprechen, zu denken, wie es der Mensch seit hunderttausend Jahren gelernt hat. Und nun sieht man mit an, wie die Sprache zerfällt. Sie geht immer mehr in den Bildern der Werbe- und Fernsehwelt unter; für immer weniger Dinge gibt es noch Wörter, und alles verschwimmt, verschwindet in einer gewaltigen Bilderflut.“
Die Frau nickte, ergriff seine Hand: „Ach, Kathi!“ seufzte er da, und ein feuchter Glanz legte sich ihm auf die Augen, als er sie unverwandt ansah: „Es sind ja Dinge, die kann man nicht… kann man nicht aussprechen. Die kann man einfach… die… Dafür gibt’s keine Worte.“