Zwei ausführliche Berichte über den fünften literarischen Wandertag

Martina Sprenger liest am Murmelbach

Hier lesen Sie gleich zwei tolle Berichte über den literarischen Wandertag, der diesmal im Wuppertaler Vorwerk Park stattfand.

Martina Hörle liest vor zahlreichem Publikum

Martina Hörle berichtet im Solingen Magazin… und Kay Ganahl, Mitglied beim FDA und der Solinger Autorenrunde schreibt aus der Sicht des Organisators:

Mann steht neben Baum
Kay Ganahl bereitet sich auf seine Lesung vor.

„Die Texte waren geschrieben. Es gab acht Zusagen zur Mitwirkung als Autorin oder Autor an diesem vielversprechenden Tag. „Wir nehmen uns Zeit!“ war für die AutorInnen das literarische Motto. Zeit hat als allgemeines, frei verfügbares Gut zu gelten, an welches jeder Mensch gelangen kann. Er soll sie sich ja eben auch nehmen. Dies ermöglicht erst die Entwicklungsfreiheit des Einzelnen, der sein Leben gestalten kann! Gerade die Kreativen, auch die AutorInnen lieben es, Zeit als etwas frei Verfügbares wahrzunehmen. So ist Zeit gezielt für die Literatur kreativ einzusetzen.

Gegen 15 Uhr am 1. September 2019 traf man sich beim Wuppertaler Toelleturm, von welchem aus die Barmer Anlagen und der Vorwerk Park überblickt werden können. Hier geht es weiter…

Impressionen des fünften literarischen Wandertags

Am Toelleturm ging es los.

Am Sonntag, dem 1. September trafen sich etwa 25 Autoren und Gäste im wunderschönen Vorwerkpark in Wuppertal. Am Toelleturm ging es gleich mit Poesie und Kurzgeschichten los.

Martina Hörle liest von einer geheimnisvollen Burg.

Es folgten weitere acht Stopps an malerischen und magischen Orten im Park. Michael Völkel unterstützte jede Lesung mit unterhaltsamer Musik und humorvollen Balladen. Die Solinger Autorenrunde war mit Autor und Organisator Kay Ganahl, und den AutorInnen Andreas Erdmann, Martina Hörle und Annette Oppenlander gut vertreten.

Andreas Erdmann trägt vor.
Kay Kanal und die weise Eule.

Zu den Gastlesern zählten Sachbuchautor Manfred Luckas, Poetin Petra Lötschert und Autorinnen Martina Sprenger und Elke Seifert.

Gruppe von Menschen hört Autorin zu
Gastautorin Martina Sprenger am Murmelbach.

Fotos wurden von Martina Hörle und Andreas Erdmann gestellt. Wir danken Kay Ganahl für die tolle Organisation und freuen uns schon jetzt auf den nächsten Wandertag.

Frau liest aus Buch.
Gastautorin Elke Seifert trägt ihr Märchen am magischen Murmelbach vor.
Mann singt mit Gitarre
Michael Völkel singt unterhaltsame Balladen
Sachbuchautor Manfred Luckas liest die amüsante Einleitung seines neuen Buches „Das Auto und ich“
Poetin Petra Lötschert liest trotz Erkältung wunderschöne Gedichte.

Der literarische Wandertag nähert sich

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Gruppe von Erwachsenen in einem Park
Teilnehmer des literarischen Wandertags 2018

1. September 2019: Literarischer Wandertag, Vorwerkpark Wuppertal, 15 Uhr, Treffpunkt Toelleturm, Hohenzollern Str. 33

Begleiten Sie uns auf dem fünften literarischen Wandertag, hören Sie wunderbare Geschichten der Solinger Autorenrunde und verschiedener literarischer Gäste. Dabei laufen wir jeweils einige Minuten und pausieren dann für Lesungen und musikalische Unterhaltung.

Der erste Treffpunkt am Toelleturm ist schon unser erster Lesestopp. Danach geht es in die Barmer Anlagen zum zweiten Literaturpunkt und von dort auf die Höhen des Vorwerk Parks.

Teilnehmende AutorInnen:

  • Andreas Erdmann, Solingen
  • Manfred Luckas, Köln
  • Annette Oppenlander, Solingen
  • Kay Ganahl, Solingen
  • Elke Seifert, Düsseldorf
  • Martina Hörle, Solingen
  • Christiane Trunk, Solingen
  • Petra Lötschert, Koblenz und Düsseldorf
  • Martina Sprenger, Wuppertal 

MUSIK: Michael Völkel, Herne

Ein Gartenfest der Literatur

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Gruppe von Menschen im Garten

Hier noch ein ausführlicher Bericht von Kay Ganahl vom Freien Deutschen Autorenverband (FDA)/NRW

Die Organisation eines Sommerfestes ist nichts für Kurzentschlossene, es braucht alles einen gewissen Vorlauf. Frau Gellwitzki-Müller von ProLiteratur, dem Freundeskreis der Bibliothek Monheim am Rhein, fragte mich denn auch frühzeitig, ob ich Zeit und Lust hätte, am Sommerfest der Bibliothek im Jahr 2019 mitzuwirken. Sie kennt mein starkes Interesse an Literatur und auch an Literaturevents, insbesondere dann, wenn es etwas zu organisieren gibt. Ich stimmte ins Lied „Wir gestalten einen Tag im Garten der Bibliothek!“ ein, alsdann ging es ans Werk. 

Zu meiner Freude war es einfach, weitere literarische Mitstreiter zu finden, die bereit waren, sich im Hochsommer einer wahrscheinlich etwas zu hohen Temperatur „auszusetzen“, da doch der Klimawandel in den letzten Jahren vielen Menschen zu schaffen macht. Aber: Wer möchte denn nicht vor geneigtem Publikum aus seinen Werken vorlesen?! Das Thema für dieses „Literarische Gartenfest“ war „Textflut“, so doch der ganze Tag von einigen Beiträgen geflutet werden sollte.

ProLiteratur, Freier Deutscher Autorenverband/NRW und – wie immer sehr gut kooperierend – die Solinger Autorenrunde boten dann ein interessantes Kultur-Event für die Literaturinteressierten. Bei dann doch recht angenehmer Witterung lasen am Sonntag, den 7.7.2019 zwischen 11 Uhr und 18 Uhr einige ganz unterschiedliche Autorenpersönlichkeiten nach freier Wahl aus ihren Werken. Jede Autorin, jeder Autor hatte zwei Mal eine Viertelstunde zu lesen.

Martina Hörle, Andreas Erdmann, Karla J. Butterfield und Beate Kunisch, Annette Oppenlander und ich, Kay Ganahl – alle von der Solinger Autorenrunde – trafen mit Dagmar Schenda (Mülheim/Ruhr), Maria Stalder (Mettmann), Renate Buddensiek (Essen) und Ute Mrozinski (Monheim am Rhein) zusammen, die allesamt (wie ich auch) sehr aktive Mitglieder des Freien Deutschen Autorenverbandes/NRW sind. Bernd Möller aus Solingen war mit seinen Gesangsstücken und dem Spiel an der Gitarre für sieben Musikbeiträge zuständig, die er virtuos und menschlich anrührend vortrug. Übrigens ist er auch als Clown tätig. Eigens für diesen Tag hatte er einen Song geschrieben, nämlich „Auftakt-Lied, Literarisches Gartenfest in Monheim“, welchen er zu Beginn der Veranstaltung zum Vergnügen aller darbot.

In der Folge blieben wir sowohl von Hitzetemperaturen als auch von lästigen Regenergüssen völlig verschont, so dass sich aus dem Hintereinander der einzelnen AutorInnen – die Prosawerke und diverse Lyrik, zumal aus neu erschienenen Romanen vorlasen – ein schönes Miteinander sehr selbstverständlich ergab. Der Korpsgeist (Ich darf an dieser Stelle auch einmal dieses Wort benutzen!) der Kreativen fand während der Lesung seine Bestätigung. Man liest nun einmal so, dass allen klar ist: Hier wird den zahlreichen netten Gästen etwas von kulturellem Niveau angeboten. Das genügt dabei allerdings auch dem ehrenvollen Selbstzweck der Freude am Tun. Und das Tun ist die vorzulesende Literatur. Es ist dies speziell das Credo des Literaten, der dem Freiheitsdenken besonders verbunden ist!

Hinter das frontal vor die Tischgruppen gestellte rot lackierte Stehpult im Garten traten die oben Genannten, allesamt Routiniers, als wäre es das, worum es im Leben vor allem zu gehen hat. Dies merkten die Gäste. Sie lauschten aufmerksam und andächtig, manche sogar mit Begeisterung. Frau Gellwitzki-Müller und ich hatten zuvor den Werbeflyer geschrieben, gestaltet, gedruckt und verteilt, so dass Mitwirkende und Gäste stets bestens im Bilde waren, wer wann vorliest. Es begann Ute Mrozinski, Lokalmatadorin aus Monheim, und gegen 18 Uhr las die bunt-urige Solingerin Karla J. Butterfield, die auch einiges über ihren persönlichen Werdegang erzählte, um das Ende des Literarischen Gartenfestes einzuläuten.

Die zwei etwas zu lang geratenen Pausen während der „Marathon“-Lesung verrückten den Zeitplan ein wenig, aber das störte überhaupt nicht. Allen, die sich vor Ort eingefunden hatten, stand Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben.

Der Freie Deutsche Autorenverband/NRW hat wieder einen Jahreshöhepunkt feiern können. Die Solinger Autorenrunde war wieder außerhalb ihrer heimatlichen Gefilde unterwegs, um noch besser zu wirken. ProLiteratur bekam ein literarisches Programm, welches es in sich hatte. Denn wenn es eines gewiss im Überfluss gab, dann dies: Literarische Inhalte und Menschen, die sie gekonnt vermittelten. 

„Literarisches Gartenfest in der Bibliothek Monheim am Rhein“: Organisator: Kay Ganahl, Schriftsteller, für Fr. dt. Autorenverband/NRW, für Solinger Autorenrunde
Veranstalter: Cornelia Gellwitzki-Müller für ProLiteratur, Freundeskreis d. Bibliothek Monheim am Rhein

Ein Gartenfest der besonderen Art

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gruppe hört einem Leser zu

Am Sonntag, dem 7. Juli nahm die Solinger Autorenrunde am Gartenfest der Monheimer Bibliothek teil. Bei angenehmem Wetter, umrahmt von Bäumen und Mauerwerk, trafen sich Literaturgesinnte, um ihre Werke vorzutragen und Gleichgesinnten zuzuhören. So vielfältig die Autoren/Autorinnen, so vielfältig war das Programm.

Es gab Gedichte über Glück und Sonnenblumen, Lustiges über die ‘F.Ledermaus’ und das Ergattern eines Wohnberechtigungsscheins, Ernsthaftes über das knappe Entkommen Walter Mehrings vor der SA und der Kinderlandverschickung im Dritten Reich, Auszüge aus Kurzgeschichten, Büchern und Sammlungen. Zwischendurch unterhielt uns Bernd Möller mit wunderbaren Liedern und Gitarre.

Wir danken der Bibliothek Monheim für die Einladung, die tolle Verpflegung und das rundum gelungene Programm.

Mehr Fotos finden Sie auf unserer Facebookseite.

Achtung Vormerken!

1. September 2019: Literarischer Wandertag, Vorwerkpark Wuppertal, 15 Uhr

Begleiten Sie uns auf dem fünften literarischen Wandertag, hören Sie wunderbare Geschichten der Solinger Autorenrunde und verschiedener literarischer Gäste. Dabei laufen wir jeweils einige Minuten und pausieren dann für Lesungen und musikalische Unterhaltung.

„Blicke auf Literatur und Leben“

Eine Rezension von Hans Bäck – Kapfenberg (Österreich)

Wenn gute Freunde, liebe Kollegen ein Buch herausbringen, ist man als Rezensent gefordert. Erstens muss man, soll man alle persönlichen Befindlichkeiten hinter sich lassen, anderseits soll man/muss man auch die persönlichen Kenntnisse von einander berücksichtigen.

Und von da an wird es schwierig.

Ich versuche es trotzdem. Dabei will ich nicht in der Reihenfolge der abgedruckten Texte vorgehen, ich werde mich an den einzelnen Autoren abarbeiten und beginne gerne mit meiner lieben verehrten

Dagmar Weck: Sie ist mit vier Texten vertreten. Allen ist gemeinsam, dass die Frauen in diesen Texten ihre Probleme mit den Männern haben, es sind immer wieder dominierende Typen, die letztendlich gar nicht so stark sind und die Frauen dann sehr bald die Verbindungen kappen. Eine Geschichte (Zara undAngus) führt uns in ferne – nein gar nicht so ferne und unbekannte Welten, diese sind uns näher als uns lieb sein kann. Weck nimmt hier eine Zukunft vorweg, vor der uns eigentlich das Fürchten befallen sollte. Immer schon haben die Schriftsteller den Nimbus gehabt, als Propheten, als Verkünder von Unheil zu fungieren. Denken wir nur an die vielen geheimnisvollen – vor allem Frauen – in der Geschichte, die Wahr- oder Vorhersagten. Die Menschen in dieser Geschichte, man fragt sich von Zeile zu Zeile, sind das noch Menschen wie Du und Ich oder sind es schon totale Zombies? Dagmar Weck lässt dies offen, es unserer Beurteilung überlassen. Visionen, die nicht unbedingt erfreulich sind!

Dagmar Schenda: ist eine jener Doppelbegabungen, die man immer häufiger antrifft. Sie zeichnet, malt und entwirft das Cover für ihre Bücher selbst. Was stellt sie in diesem Band vor? Beginnt sinnvollerweise mit den Problemen jener, die plötzlich sich mit den Errungenschaften eines Bill Gates herumschlagen müssen. Im Klartext, wie es jedem geht, der sich mit Textverarbeitung, Word und anderen Geheimnissen der IT herumschlagen muss. (Fast) jeder hatte diese Erfahrungen selbst machen müssen, es gibt nicht so viele Glückliche wie den Rezensenten, der von Anbeginn mit Mac, mit Apple arbeiten konnte und daher diese Erzählungen eben nur aus der Sicht der Betroffenen kennt. Vielleicht eine Warnung, eine Anregung, an die vielen Software-Entwickler, einmal nachzudenken, was es mit der Forderung von STEVE JOBS und STEVE WOZNIAK auf sich hatte: Jedes Produkt, jedes Programm geht erst dann hinaus, wenn es auch die Oma versteht! Jedenfalls Dagmar hat diese Schwelle überwunden, im nächsten Text „Die Abenteuer von Papa“ schildert sie ihr Leben, vom Mädchen, dem der Papa die Geschichten erzählte bis zu jener jungen Frau, die nun diese Geschichten selbst erfand. Ein einsamer Gymnasiallehrer der ein kostbares Buch gefunden, das ihm wichtiger als alle Lebensfreuden war, junge Schülerinnen vermied er ebenso (war auch für ihn  besser) als Freudenmädchen, nur um das eine Buch ging es ihm. Auch in der Geschichte von Rosalinde, Kurt und Claude geht es vorrangig um Bücher, doch lässt die Autorin dabei ihre geheime Leidenschaft zum Durchbruch kommen. Was heißt geheime Leidenschaft? Wer die Homepage der Autorin anschaut, wird sehr bald über die „geheimen Vorlieben“ von Dagmar Schenda Bescheid wissen! Im abschließenden Text beschäftigt sich die Autorin mit den verschiedenen Bezeichnungen, Wörtern welche die menschliche Fortbewegung in der Literatur, in der Umgangssprache beschreiben.

Kay Ganahl ist der Wissenschaftler unter den drei Autoren. Jeder seiner Texte beschäftigt sich mit literarischen Problemen und Fragen: Unser ‚letztes’ Buch, strahlend, selbst sich auflösend, zerfallend, alles fließt, bewegt sich fort, wird unendlich. Natürlich, das Lesen ist für einen Büchermenschen wie Kay existenziell, dann muss er erleben, wie eine attraktive Nachbarin ein Buch ausborgt, noch dazu Kafkas Schloss, nur um vorzugaukeln auch sie habe ein Buch! Reflexionen über das Studium, Gedanken zum Lesen an sich, die Wandlung der Stellung des Schriftstellers in der Gesellschaft und damit ein Blick auf den „Literaturbetrieb“ früher und heute. Ein hochinteressanter Essay erkundet das Schriftsteller-Ich, autobiografische Notizen und viele andere Texte runden das Bild ab, das sich der Leser von Kay Ganahl danach machen kann.

Eine Fülle an Gedanken, Ideen, Einfällen. Man merkt, hier schreibt einer, dem das Herz, die Feder übergeht, den es danach drängt, endlich, endlich all das auszudrücken, was ihm am Herzen lag. Der Rezensent erlaubt sich einen kleinen bescheidenen Einwand: Weniger wäre mehr oder zumindest genug gewesen.

Es muss unheimlich schwierig sein, drei so unterschiedliche Autoren zu einem gemeinsamen Buch zu bewegen, was dabei zwangsläufig auf der Strecke bleiben muss: Der gemeinsame Rote Faden. So ist es eine Ansammlung von total unterschiedlichen Texten, die leider kaum einen Zusammenhang haben. Ich gebe zu, das wäre schwierig gewesen, doch bei einer anderen Auswahl der Texte beispielsweise der beiden Autorinnen, wäre der Sozialwissenschaftler Kay womöglich weitaus stärker zur Geltung gekommen. So wirkt seine Vermischung von Essay, wissenschaftlichem Beitrag und Short Story etwas willkürlich zusammengetragen.

Jedenfalls ein erfreuliches Lebenszeichen aus dem Kreis der Autoren des FDA NRW!

Prosatexte, Gedichte, Essays, Autobiografisches
Shaker Media GesmbH
ISBN 978-3-95631-692-0

Kay Ganahl (Hrsg.), Dagmar Weck, Dagmar Schenda

Vorschau über unsere dieses Jahr geplanten Aktivitäten

7. Juli 2019:
Lesung auf dem Sommerfest der Bibliothek Monheim/Rhein.
Thema ist frei wählbar.

1. September 2019:
Fünfter Literarischer Wandertag durch den Vorwerk-Park in Wuppertal
Thema: „Wir nehmen uns Zeit!“

6. September 2019:
Lesung Mülheimer Lesebühne.
Thema: „Literatur ist immer gut.“

9. November 2019:
Lesung in ElkesART „Literarischer Salon“ in Düsseldorf-Garath.
Thema: „So ein Donnerwetter!“

7. Dezember 2019:
Lesung in der Destille, Düsseldorf.
Thema: „Wundertüte“

5. Literarischer Wandertag: »Wir nehmen uns Zeit!«

Archivfoto: Lesung im Coppelpark Solingen

Die Mitglieder der Solinger Autorenrunde werden auch in diesem Jahr einen Literarischen Wandertag veranstalten. Er führt uns durch den idyllischen Vorwerk-Park in Wuppertal.

An speziell ausgesuchten Leseplätzen werden wir eine kleine Auswahl unserer eigenen Texte zum Besten geben. Untermalt wird die Lesung auch diesmal wieder durch Musik. Mehrere Mitglieder des FDA werden ebenfalls unsere literarische Runde verstärken.

Natürlich sind wir bestrebt, möglichst viele Gäste zu begrüßen. Jeder Literaturinteressierte ist willkommen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Veranstaltung: 1. September 2019
Treffpunkt:
 Vorwerk-Park, Adolf-Vorwerk-Straße 33, 42287 Wuppertal
Uhrzeit: 15 Uhr
Dauer: Ca. 2,5 Stunden

Weitere Informationen werden zeitnah bekanntgegeben.

Monatsgeschichte für den Monat Januar 2019

ALS VERSAGERIN BEI WECKERS

Kay Ganahl

Vorne ist ein leicht bewaldeter Hügel zu sehen. Hinter ihm, gerade noch von hier aus erkennbar, eine weiße Kapelle, zu der nur noch ab und zu Touristen den Weg finden:  Japaner, Engländer, manchmal auch Touristen aus anderen Ländern. Der Hügel ist einer von mehreren in dieser landschaftlich ziemlich reizvollen Gegend. Die Besiedlungsdichte hier ist sehr dünn, auf diesem besagten bewaldeten Hügel hat eine Familie ihr bescheidenes Domizil, das sie ungern verlässt. Früher wurde auf diesem Hügel wie überall in der Gegend mal rege gewirtschaftet – die Landwirtschaft nahm einen breiten Raum ein. Auf den Tourismus war man nicht angewiesen! Seitdem die Landwirtschaft nicht mehr rentabel ist, wird auf sie fast ganz verzichtet. Seit dem Aufkommen des Tourismus wurde in der Gegend überall die Infrastruktur wesentlich verbessert, gewissermaßen ist erst mit ihm die Zivilisation richtig eingezogen, wenngleich so mancher Senior meint, dass es früher viel besser gewesen sei. Die Jüngeren haben sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung abgefunden. Es gibt durchaus den einen oder anderen Bewohner der Mroder Gegend, der die neue Zeit hoch schätzt. Zum guten Ton gehört es bei den Bewohnern aller Hügel und der Kleinstadt Mrod, dass gesagt wird „Uns geht es doch auch gut!“.  Kurzum, irgendwie finden sich fast alle, die hier zu Hause sind, zurecht. Aber man hat noch nicht gehört, dass irgendjemand die neue Zeit der touristischen Heimsuchung als große Zeit bezeichnet hätte, denn das ist sie offensichtlich nicht.

Die aparte 15jährige Beatrix gehört seit Langem zur Familie, die auf diesem einen bewaldeten Hügel nahe Mrod wohnt, aber trotzdem anerkennt man sie nicht als vollwertiges Familienmitglied. Die vielen Jahre haben daran nichts geändert, es sind nun schon fast zehn. Ihre Pflegefamilie, die Familie Wecker, ist in Mrod als Familienhügel-Familie bekannt. Haushaltsvorstand Kurt Wecker, von Beruf Elektroniker, findet diese Bezeichnung unerträglich, aber die Beschwerden bei allen möglichen Kleinstädtern haben nichts genutzt: die Weckers haben den Ruf als Deppen vom Lande nun einmal weg.

Wenn die auch als reichlich vorlaut geltende Beatrix , was selten vorkommt, mit ihrem portablen CD-Player, Knopf im Ohr, allein durch Mrod geht, dann fühlt sie sich schon viel besser als in ihrer Pflegefamilie aufgehoben, wenn auch bei weitem kein Glücksgefühl aufkommt, was ihr aber nicht so viel ausmacht.  Gern würde sie in die Kleinstadt ziehen. Pflegevater Kurt wird es ihr nicht erlauben, weshalb sie nur noch darauf wartet, endlich volljährig zu werden. „Die Mroder sind aufgeschlossener, netter, umgänglicher!“ tönt sie in ihrer Familie häufig herum, kein Wunder, dass sie Pflegemutter Maische als „Verrückte“ hinstellt. Immer wieder sucht sie den Konflikt mit ihrer Pflegetochter, die ihrerseits um keine beleidigende Erwiderung verlegen ist, was in der Familie für eine Grundstimmung sorgt, die für Beatrix natürlich auf Dauer inakzeptabel ist. Die Mroder kennen Beatrix, sie mögen sie sogar. Ja, die Mroder, genauer: Edelfriseur Lagarde, der in seinem Salon allerhand fachliche Dienstleistungen anbietet, hat ihr schon eine Ausbildungsstelle offeriert. Noch hat Beatrix das nicht angenommen. Bald wird sie ihren ersten Schulabschluss in der Tasche haben – dann steht eine weitere wichtige Entscheidung an, nämlich ob sie weiter zur Schule geht oder nicht. Sie könnte sich eine höhere berufliche Zukunft vorstellen. Heutzutage geht man lange zur Schule, wenn es irgend geht.

Die missliche Grundstimmung bei den Weckers, die eben auch deswegen misslich ist, weil Beatrix als Mensch nicht anerkannt wird, trägt nicht dazu bei, dass Beatrix auch nur die geringste Anhänglichkeit zu ihrer Pflegefamilie entwickelt hat. Sie kann es nicht mehr abwarten, wegzukommen. Nur zu gern will sie auch jetzt schon mit Jungen ausgehen und „das Leben genießen“, sie selbst sein und  machen, was ihr wichtig ist! Sie will bei anderen, ihr gewogenen Menschen Zuneigung, sogar Liebe erwerben. Das muss möglich sein.

Wenn das schon sehr bald Realität werden soll, so muss sie dem anstrengenden Alltag in Familie und Schule entfliehen, doch gerade das will sie nicht: keine Flucht! Das wäre peinlich! Natürlich will sie sich die Zukunft nicht durch voreilige Schritte verbauen. Den Schulbesuch hält sie mindestens bis zum anstehenden ersten und so wichtigen Abschluss für absolut notwendig. Vielleicht denken viele ihrer Mitschüler so. Sie denkt jedenfalls so!

Wie schon deutlich gemacht, ihr Alltagsleben findet sie anstrengend, manchmal fast unerträglich – also kriecht sie nur mehr durch ihren Alltag (jede Streiterei mit ihrer Pflegemutter ist durchaus eine Abwechslung), dieses quälende Alltägliche: steht morgens auf, zieht sich an, geht in den Frühstücksraum im Haus ihrer Pflegefamilie, findet Elterliches nur noch öde, zerbricht zufällig-versehentlich Becher, Tassen oder Kaffeekannen. Immer will sie am liebsten wieder ins Bett zurück, um den Morgen mit Schlafen zu verbringen, doch „Der Schulunterricht ist ein Muss. Noch. Noch! Ich treffe Entscheidungen …!“  Die Pflegeeltern sitzen mit am Frühstückstisch und zeigen, wie gelangweilt sie sind. Sie sagen kaum etwas, ihre Autorität halten sie für das Selbstverständlichste auf der Welt. Und so sind Fragen nicht erlaubt. Ein freundliches, offenes Miteinander am Frühstückstisch und auch später am Tag ist undenkbar. Ihr oft vorkommendes abfälliges Grinsen, das in Richtung Beatrix geht, beweist ihr ein ums andere Mal, dass sie in dieser Familie längst nur noch geduldet ist!

„Wenn das so … beschissen … sorry … bleibt, unendlich fade und trist, dann muss ich ausbrechen!“ entfährt es ihr einmal, aber selbst in diesem Augenblick der Bloßstellung der Pflegefamilie sagt Kurt, der Haushaltsvorstand, nicht mehr als „Wenn du meinst, du Biest!“ Beatrix würde diese Äußerung jederzeit wiederholen, wenn es einen Nutzen hätte, jedoch ist selbst so eine Äußerung nur in den Wind geblasen, wenn daraus keine offene Auseinandersetzung wird, in der Beatrix nicht unbedingt schlecht aussieht. Für sie ist eine offene Auseinandersetzung besser als die immer größer werdende Gleichgültigkeit ihrer Pflegeeltern, die mittlerweile sehr nervt. Geschäfte, Geschäfte, Geschäfte: darum geht es der Familie Wecker im Grunde nur.

© Kay Ganahl