Dritter literarischer Wandertag führte zu Gräfraths schönsten Plätzen

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Am ersten Samstag im Juli trafen sich Mitglieder der Solinger Autorenrunde und des Freien Deutschen Autorenverbandes/NRW zu ihrer dritten literarischen Wanderung. Voll guter Laune und bei Sonnenschein ging es diesmal durch das schöne Gräfrath.

Trotz guter Planung und Organisation war es ein Tag voller Spontaneität und Improvisation. Organisator Kay Ganahl hatte wunderschöne Plätze als Lesestellen ausgewählt. Gleich beim Start am Marktplatz überraschte uns ein Musiker, der seiner E-Gitarre zwar Töne entlockte, aber uns damit leider am Lesen hinderte. Am zweiten Platz fand gerade eine Hochzeit statt, am dritten eine Lossprechung von Handwerksburschen. Zwischendurch verhinderten Rasenmäher und Kantenschneider unsere Versuche, die Natur literarisch zu beflügeln.

Doch in der Heide wurde es ruhiger. Wir pfiffen mit vereinten Kräften auf die Planung und nutzten die beschauliche Atmosphäre am Teich, am Denkmal und auf verschiedenen Waldpfaden, um uns gegenseitig mit Geschichten, Gedichten und Erzählungen zu unterhalten. Künstlerin Teneja begleitete unsere Wanderung stimmlich und mit Gitarre.

Auch wenn unsere Wanderung anders verlaufen war als geplant, waren wir uns am Ende doch einig: Es war ein toller Tag.

(Text und Fotos: © Martina Hörle)

 

Presse SolingenMagazin:

Monatsgeschichte für den Monat Juli 2017

Der Anfang

Da stand er nun, ganz allein – vollkommen verloren auf dem riesigen Blatt. Ein klitzekleiner Buchstabe im unendlichen Weiß des Papiers.

Was sollte er hier? War vielleicht noch jemand da? Er versuchte zu rufen: „Sssssssssssssss:“

Seine Stimme war sehr leise. Doch er versuchte es erneut. Was sollte er auch sonst tun? „Sssssssssssssss.“ Immer wieder: „Ssssssssssssss.“

Da passierte es. „Rrrrrrrrrrrr.“ „Iiiiiiiiiii.“ „Lllllllll.“ „Aaaaaaaaaaaaa.“ Überall tauchten Zeichen auf, große, kleine, dicke, runde, eckige – wie Fliegendreck sahen sie aus. Winzig, aber in ihrer Menge einem Meer gleich. Das Papier war nicht mehr so weiß.

Alle liefen unruhig hin und her, blieben stehen, verschwanden, rannten nach links, dann wieder nach rechts, drehten sich um die eigene Achse und murmeln pausenlos vor sich hin: „Sss, aaa, lll, iii, eee, rrr.“ Zischende Laute, Gebrabbel. Manche taten sich zusammen: „Sal, ima, wes, rea“ – Fragmente, sinnlose Wortgebilde.

Wieder und wieder gruppierten sie sich neu, und es wurden immer mehr. Ein Ozean an Fliegendreck. Lange dauerte es, aber irgendwann brachten sie einzelne Wörter zustande, wurden verständlicher. Überall waren sie, riefen, lachten, fragten, flüsterten.

Satzzeichen kamen dazu, hier ein Komma. Da ein zweites, ein Punkt. Noch ein Punkt, noch einer und noch einer. Eine Unmenge von Punkten formierte sich zu einer Linie. Ein Komma drängelte, wollte an den Anfang und tat sich dort mit einem anderen Komma zusammen. Nun forderten auch die Buchstaben ihren Platz.

Zuerst schaffte es das „E“. Es stand direkt hinter den zwei Kommas. Blähte sich stolz auf und wurde groß. Jetzt ging es Schlag auf Schlag. A, I, M, L, E und wie sie alle hießen, schubsten, drängelten, purzelten vor Eifer über- und untereinander, die Punkte eilig hinterher.

Ein Chaos ohnegleichen. Doch plötzlich – atemlose Stille. Da standen sie, geformt zu einem der schönsten Sätze, mit denen ein Märchen beginnt:

„Es war einmal…“

(aus dem Buch „Zeitgedanken von Martina Hörle und Andreas Erdmann.
Urheberrecht und Copyright für alle Texte: Martina Hörle)

Literaturtage 2017: Lesung in der Düsseldorfer Destille

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Am schönen Nachmittag des 10. Juni 2017 fanden sich einige kulturbeflissene und an der Literatur sehr interessierte Menschen in der Düsseldorfer Destille ein, um dieses Mal der Solinger Autorenrunde zu lauschen. Das Thema der literarischen Lesung, zu der Saga Grünwald, Martina Hörle, Beate Kunisch und Kay Ganahl antraten, lautete „Liberté“, was ja auch das Thema der in diesen Tagen laufenden Düsseldorfer Literaturtage war.

Ein dankbares Thema!

In der dichten, freundlichen Atmosphäre des Literaturcafés Destille, die es uns als erfahrenen AutorInnen und VorleserInnen besonders antat, konnten wir wieder unter Beweis stellen, dass uns die Fragen des menschlichen Daseins wichtig sind. So eben auch „Liberté“: Freiheit. Über sie muss immer wieder reflektiert werden. Sie ist das, was wesentlich dazu beitragen kann, aus Menschen mündige Bürger zu machen. Die Solinger Autorenrunde hat sich dieses Begriffes kreativ angenommen.

„Freiheitsliteratur“ bedarf immer und überall der öffentlichen Lesung!

Wir bedanken uns bei der sehr engagierten Elisabeth Esch für die Einladung in die Destille an den Düsseldorfer Literaturtagen!

Kay Ganahl

Monatsgeschichte für den Juni 2017

Meine Ginger

Was sie noch zu sagen hätte … ich stand vor dem großen Antik-Spiegel und kontrollierte den Sitz meiner blau-weißen Krawatte, als Ginger von hinten rechts auf mich zukam. Sie gab mir einen Klaps auf den Allerwertesten, so dass ich gegen den Spiegel prallte, welcher in viele kleine Scherben zersprang.

„Geht’s noch?“ schrie ich sie so laut an, dass sie eingeschüchtert zurücktrat – durch ihr Gesicht, sonst starr wie eine Maske, huschte ein bisschen Furcht. Sie antwortete nicht, sondern drehte sich gleich um, rannte ins Wohnzimmer und warf sich auf die rote Ledercouch. Dann sang sie die Internationale, dieses Lied der Kommunisten, was ich schon immer so komisch und dumm fand. Sie sang dieses Lied dermaßen laut, dass ich, der ich einmal zu dieser politischen Gruppe gehört hatte, die Ohren mit Papiertaschentüchern zustopfte. Ich rannte in die Küche, in der wie meistens Unordnung herrschte, um mit einem der probaten langen Messer im Wohnzimmer auf meine „alte Liebe“ zu treffen, die sich mittlerweile auf der braunen Ledercouch wie eine lange, rote Weihnachtskerze ausstreckte.

„Ich bin jedenfalls nicht mehr so ein Politiot … aber bei Dir hält sich dieses Gedankengut immer noch, kapierst Du das nicht?!“ tönte Ginger, die mich auch noch hämisch angrinste. Natürlich kochte ich vor Wut, am liebsten hätte ich sie jetzt abgestochen, auch zu gern tot geprügelt, aber ich hatte prinzipiell jeder Gewalt abgeschworen. Der große Mahatma hatte mich voll im Griff. Mit diesem Messer in der Hand kam ich mir daher äußerst selbstverräterisch vor! Die Zeit meiner terroristischen Aktivitäten war längst vorüber. Gewalt geschah seit vielen Jahren lediglich im Rahmen von Computerspielen in meinem Kopf.

„Ich werde …!“ drohte ich, doch Ginger schloss die Augen und summte nun die Internationale.

„Du wirst gar nichts, Du Memme!“

„Wenn Du so weiter provozierst, werde ich bestimmt noch …!“ entgegnete ich Ginger. Sie lachte. Und lachte.

Ich rannte zu dem zersprungenen Spiegel. Dann sammelte ich einige Scherben, um sie gleich danach Ginger auf den Bauch zu werfen. Die ach so feine, immer wieder feist klügelnde mittelalterliche Dame schoss auf. Sie trat mir in den Unterleib. Als ich in die Knie gegangen war, trat sie mir von hinten in den Rücken, so dass ich vornüber auf den Teppichboden knallte.

„Spinnst Du, … Irr … rre!?“ entfuhr es mir im Schmerz.

„Ja!“ entgegnete sie. Ginger war wieder „Herrin“ der Lage. Ihre Arroganz mir gegenüber kannte keine Grenzen.

Längst bestand unsere Beziehung hauptsächlich aus Spielen der Macht – bis zur Unterwerfung des einen unter den anderen. Meist war ich ihr Opfer!

© Kay Ganahl

Veröffentlicht in „Wurzel“, Selbstverlag 2016, PDF auf CD-Rom

Monatsgeschichte für den Mai 2017

Das Glück

Eines Tages beschloss das Glück, in die weite Welt zu gehen. Es wollte viele Menschen treffen, ihnen einen Wunsch erfüllen und sie glücklich machen. So wanderte es frohgemut seines Weges.

Zuerst begegnete ihm ein reicher Kaufmann. Das Glück fragte: „Hast Du einen Wunsch? Ich möchte Dir etwas geben, damit Du glücklich bist.“ Der Kaufmann überlegte nicht lange. „Ich wünsche mir viel Geld. Denn Geld macht mich glücklich.“

Das Glück war überrascht. Es hatte mit anderem gerechnet. Aber versprochen war versprochen. Ein Mensch war also glücklich, wenn er Geld hatte. Nachdenklich ging es weiter und kam an einem Feld vorbei, auf dem ein Bauer gerade schwere Säcke trug.

„Ach, hätte ich Pferd und Karren, das wäre ein Glück. Dann fiele mir die Arbeit nicht so schwer!“ Auch ihm erfüllte das Glück seinen Wunsch. Ein Mensch war also glücklich, wenn seine Arbeit leicht war.

Auf seinem Weg traf es einen Schäfer, eine Marktfrau, einen Schuster und viele andere. Und jeder wünschte sich eigenartige Dinge zu seinem Glück: ein Haus, eine Halskette, eine Herde, Mägde und Knechte. Es gab so vieles, was die Menschen wollten. Das Glück gab und gab. Und immerzu dachte es darüber nach, was die Menschen für Glück hielten.

Irgendwann verlor es die Gabe, zu schenken. Und darum ist heute jeder Mensch selbst seines Glückes Schmid.

© Martina Hörle

Ankündigung: 3. Literarischer Wandertag

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Am 8. Juli 2017, kurz vor den Sommerferien, findet der

3. Literarische Wandertag unter dem Motto „Altes macht Neues

in Solingen statt.

Um 15 Uhr treffen sich Mitglieder des FDA/NRW und der Solinger Autorenrunde am historischen Ortskern Gräfrath, Ecke Wuppertaler Straße/In der Freiheit. Dann geht’s los.

(Foto: © Martina Hörle)
(Foto: © Martina Hörle)

Die Wanderroute führt durch das beschauliche Solingen-Gräfrath. Der Brunnen auf dem Marktplatz mit dem inspirierenden Ambiente bietet sich natürlich als einer unserer Literaturpunkte an. Dann geht es weiter, vorbei am Deutschen Klingenmuseum, durch die idyllische Gräfrather Heide bis zum Lichtturm. Geplant ist eine Dauer von ca. 2,5 Stunden. Interessierte Zuhörer können sich gerne jederzeit anschließen.

Auch am Deutschen Klingenmuseum werden wir Literatur zum Beten geben. (Foto: © Martina Hörle)
(Foto: © Martina Hörle)

Wie schon in den beiden letzten Jahren ist es eine Gemeinschaftsaktion der Solinger Autorenrunde und dem Freien Deutschen Autorenverband/NRW. Die Organisation liegt in den Händen von Kay Ganahl. Er ist Mitglied in beiden Gruppen und hat auch die vorherigen Wandertage erfolgreich auf die Beine gestellt.

Fragen zu dieser Aktion an Ganahl@web.de

Die Solinger Autorenrunde in Düsseldorf

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Von Kay Ganahl (April 2017)

Die Solinger wissen ihre große Nachbarstadt Düsseldorf durchaus zu schätzen, gerade wenn es um Kulturelles geht. Besonders viele Orte kulturellen Austauschs sind in der Landeshauptstadt NRWs beheimatet.

Auch die Solinger Autorenrunde zieht es nach Düsseldorf, denn es gilt, die in Solingen entstandene Literatur auch außerhalb der Heimatstadt den Literaturinteressierten zugänglich zu machen: eben nicht nur durch das Buch oder Ebook, sondern durch die öffentliche literarische Lesung, die die beste Möglichkeit des Direktkontakts mit den Literaturinteressierten darstellt.

Recht bekannt ist das Literaturcafé „Destille“ in der Altstadt Düsseldorfs. Mit dem „Autorenfrühstück“ und der „Blauen Stunde“ darf sie fast schon als eine Institution nicht nur für die Literaten der Stadt an der Düssel angesehen werden, sondern sogar für die Literaten ganz NRWs.

Kürzlich schickte die Solinger Autorenrunde ihre „Späher“ Beate Kunisch und Kay Ganahl  an die Düssel, um profunde Erfahrungen mit dem dortigen Literaturbetrieb zu sammeln. Beate Kunisch setzte sich eines schönen Frühstücksmorgens in die „Destille“,  um den AutorInnen zu lauschen, die sich einem Publikum präsentierten, welches  sich zur offenen Kritik an den vorgetragenen Werken  aufgefordert sah (Sinn und Zweck des „Autorenfrühstücks“). Und Kay Ganahl entschloss sich am 18.4.2017 mit „Eines Berges Tanz. Fantastische Bergsatire“ vor dieses kritische Publikum zu treten. Er erntete neben Beifall auch ein, zwei kritische Bemerkungen, die er als Anregungen auffasste. Übrigens war er schon einmal lesender Autor in der „Blauen Stunde“ gewesen, kannte daher die offene kulturelle Atmosphäre in der „Destille“ mit literarischem Vorlesen,  aber auch Musizieren, Kritisieren und Diskutieren, – zumal ein kleines Kühles immer möglich ist. Auf einen „geistigen Raum“, wo der Kreativität und der Kultur so frei gefrönt werden kann, darf niemals verzichtet werden!

Die Organisatorin so manch literarischer Veranstaltung in der „Destille“, Elisabeth Esch (Düsseldorfer Germanistin, Lyrikerin), hat die Solinger Autorenrunde eingeladen, am 10. Juni 2017, 16 Uhr in der „Destille“ zu lesen. Dies ist ein Termin der Düsseldorfer Literaturtage und des Bücherbummels auf der Kö, so dass die Autorenrundler gar nicht anders konnten, als dieses freundliche Angebot anzunehmen. Thema der Düsseldorfer Literaturtage: „Liberté“.

Wir freuen uns!

Lesung am KulturMorgen 2017

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Am KulturMorgen war die Solinger Autorenrunde in der Halle 26 im Südpark zu Gast.

Von 12 – 13 Uhr haben wir aus unseren beiden Anthologien „Alles im Fluss“ und „Der Berg bewegt sich“ einem aufmerksamen Publikum frühlingsfrische literarische Texte vorgetragen.

Es war ein ganz besonderes Lesevergnügen. Wir waren von zauberhaften Werken der Künstlerinnen Silke Widenka und Beatrix Deus umgeben waren.

Monatsgeschichte für den April 2017

In diesem Monat gibt es zwei kleine Gedichte von Saga Grünwald.

 

 

 

 

Grünes Tuch

Frühling ist ein grünes Tuch

zieht sich über unsre Erde

tüpfelt es mit Farbenspiel

Sonnenschatten, Blumen viel

atmen süße Honigdüfte

vergessen ist des Frostes Spiel

Grünes Tuch liegt auf den Bäumen

kleidet sie in Blütenträume

Vögel singen Freudenlieder

Schmetterlinge kehren wieder

Neues Leben, ja, es werde!

© Saga Grünwald

 

Das Rad

Eben noch sangen die Vögel zum Morgen

in den Wipfeln, doch schon weicht das Glück

den bitteren Stunden, zehrenden Sorgen

von Efeu gefesselt der Blick

Ein Lachen, ein Kichern, ein Singen

flügelt mit lichten Schwingen

erstes stummes Befreien

Hallo! Ich suche das Glück

zur Geste gewordenes Schreien

erstarrt, und leis kehrt zurück

des Lebens sanftes Verzeihen

© Saga Grünwald

 

Monatsgeschichte für den März 2017

In diesem Monat gibt es zwei kleine Gedichte von Beate Kunisch.

 

 

 

 

gedankenkette

gedankenperlen
rollen den hang hinab
werden leichter
verirren sich
zerplatzen
seifenblasengleich
hinterlassen spuren
blitze rütteln am gipfel
hell, grell, schnell
lodern sie eilig auf
um dann im dunkel zu zerfallen
zu hinterlassen
entsetzen und erstaunen
über das vergängliche
der gedankenperlen
um ihn

© Beate Kunisch

GLÜCK

Damals plötzlich
Kurz und gewaltig
Bedeutungsschwer
Wusste es nicht zu heben
Aus der dichten Magie
Staunte sprachlos
Lies es strahlen
Heute weiß ich es zu ahnen
Wenn ein Schmetterling von Leichtigkeit flüstert
Der Sonnenuntergang nach Frühling duftet
Dein Lächeln mein Herz explodieren lässt
Ich Möglichkeiten verwandeln kann
Freunde zu erkennen vermag
Wenn der Tag gut endet
Dann badet meine Seele
In diesem einsilbigen
All

© Beate Kunisch