Monatsgeschichte für den März 2017

In diesem Monat gibt es zwei kleine Gedichte von Beate Kunisch.

 

 

 

 

gedankenkette

gedankenperlen
rollen den hang hinab
werden leichter
verirren sich
zerplatzen
seifenblasengleich
hinterlassen spuren
blitze rütteln am gipfel
hell, grell, schnell
lodern sie eilig auf
um dann im dunkel zu zerfallen
zu hinterlassen
entsetzen und erstaunen
über das vergängliche
der gedankenperlen
um ihn

© Beate Kunisch

GLÜCK

Damals plötzlich
Kurz und gewaltig
Bedeutungsschwer
Wusste es nicht zu heben
Aus der dichten Magie
Staunte sprachlos
Lies es strahlen
Heute weiß ich es zu ahnen
Wenn ein Schmetterling von Leichtigkeit flüstert
Der Sonnenuntergang nach Frühling duftet
Dein Lächeln mein Herz explodieren lässt
Ich Möglichkeiten verwandeln kann
Freunde zu erkennen vermag
Wenn der Tag gut endet
Dann badet meine Seele
In diesem einsilbigen
All

© Beate Kunisch

 

Buchvorstellung „Zeitgedanken“

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Martina Hörle und Andreas Erdmann präsentierten „Zeitgedanken“

Am Donnerstag, 16. Februar 2017, präsentierten Martina Hörle und Andreas Erdmann in einer kombinierten Lesung/Bilderschau ihr gemeinsames Buch „Zeitgedanken“ in der Buchhandlung Kiekenap in Solingen-Ohligs.

In ihrem neuen Werk befassten sich die Autoren eingehend mit dem Thema „Zeit“. Mit lyrischen Texten, Gedichten und Märchen ließ Martina Hörle die Leser auf heitere, nachdenkliche und melancholische Weise an ihren Gedanken teilhaben. Andreas Erdmann begleitete die einzelnen Szenen mit zauberhaften Stimmungsbildern.

Das Buch „Zeitgedanken“ von Martina Hörle und Andreas Erdmann ist beim Verlag BoD Norderstedt erschienen. Es enthält 96 Seiten, ist durchgehend farbig illustriert und für 12,90 Euro unter der ISBN 978-3-741281-25-9 im Buchhandel oder direkt bei den Autoren erhältlich.

Presse:

Martina Hörle und Andreas Erdmann präsentieren „Zeitgedanken“

Solinger Tageblatt
Autoren sinnieren über die Zeit

KulturMorgen 2017

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Ein kleiner Auszug aus dem reichhaltigen Programm des KulturMorgens 2017

Nach der langen KulturNacht 2017, in deren Verlauf quer durch Solingen Kulturelles in Hülle und Fülle angeboten wird, geht es am darauf folgenden KulturMorgen etwas ruhiger zu.

Viele Ateliers und Galerien haben ihre Pforten geöffnet. Neben Malerei, Skulpturen und Musik gibt es auch Literarisches.

Von 12 bis 13 Uhr liest die Solinger Autorenrunde in den Güterhallen im Südpark.
„Literarische Texte – fantasievoll und frühlingsfrisch“. Die Natur ist im Fluss, und auch die Berge bewegen sich.

Veranstaltungsort:
Halle 26, Alexander-Coppel-Straße 26, 42651 Solingen.

 

 

Monatsgeschichte für den Februar 2017

„Schmetterlinge“

Mittlerweile war es kaum noch erträglich. Aus einem schönen, angenehmen Sommer war etwas ganz anderes geworden … die Tier- und Pflanzenwelt nahm Schaden; auch die Schmetterlinge hatten sich verzogen, Herzblätter segelten vorerst nicht mehr von den Bäumen. Alle netten Menschen schienen ausgeflogen zu sein – Augustine nahm an, dass sie nicht weit entfernt sein konnten, denn sie brauchten ja nach wie vor ein Heim. Sie wollte aber erst einmal allein inmitten der sich vor ihren Augen und Ohren verändernden Umwelt bleiben. Der Grund für diese Veränderungen war für sie ein Rätsel. Das drängende Außen des überraschenden Veränderungsprozesses zwang Augustine zum längeren Warten, denn sie musste warten, um Zeit für das Sammeln von Kenntnissen und Erkenntnissen verwenden zu können. Das freute sie.

Bevor das offenkundige und endgültige Scheitern der Natur eintrat, musste sie auch noch bei sich – in ihrem Innen – aufräumen, Gedanken finden und speichern. Holla! Gedanken! Hatte sie die denn überhaupt noch angesichts dieses ungeheuerlichen Veränderungsprozesses? All dies Neue war höchst ungewöhnlich, doch sie nahm es als wichtigste Erfahrung ihres Lebens und akzeptierte es voll.

Warum auch nicht  –  ging es doch um sehr viel?!

Oftmals blickte Augustine morgens nach der Toilette zunächst gedankenverloren aus dem Fenster vor dem Frühstückstisch in die hoffnungsfroh-bedrückende Weite dessen, was sich kurz vorher, nach dem Öffnen des Vorhangs und dem Zur-Seite-Schieben einer gelben Gardine  wieder mal unerwartet für sie aufgetan hatte.

Im Internet hatte Augustine zahlreiche Ankündigungen böser Menschlein gelesen, die nicht umhin kamen, sich weltweit für oder gegen etwas mit politischen Sprach-Attacken und Videos einzusetzen, was Augustine nicht besonders gut gefiel.

In einem der vielen Spiegel im Frühstücksraum ihrer Villa am Fuße des Berges Kakal erkannte Augustine nunmehr zu ihrem Erstaunen, dass es hier, vor Ort, noch eine gute Zeit für sie geben konnte. Sie gedachte all des Vergangenen ihres eigenen Lebens in vielen Einzelheiten, es marschierte nun bildhaft vor ihr auf.

Endlich wollte sie wieder ganz in Ruhe an ihrer Dissertation zum Thema „Welten-Verbund“ weiterarbeiten, zu diesem Zweck innerlich aufrüsten –   sich gedanklich und auch gefühlsmäßig fangen.

Keineswegs wollte sie resignieren, schon gar nicht angesichts der Gesamtlage aufgeben. Denn das Gefühl der Sehnsucht hatte sie gepackt. Eine solches, das den einzelnen Menschen bannt, fesselt und in eine andere, schönere Welt entführt. Die Erfüllung in liebender Gegenseitigkeit erhoffte sie für sich, für alle Menschen, womit sie nicht alleine stand, doch man konnte sich in diesen Wochen und Monaten nicht leicht organisieren …

Immer noch dachte sie an das Vergangene, sehr konkret Gewesene. Die sie neuerdings erfüllende Sehnsucht war gespeist aus Hoffnung. Vieles musste noch geklärt werden, doch schien nichts unmöglich zu sein.

Aus dem Buch von Kay Ganahl: „Fußangeln, Grenzpfähle und Fallgruben. Kurze Prosa“, veröffentlicht im Grille Verlag, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Monatsgeschichte für den Januar 2017

Kanzlerin allein zu Haus
Karla J. Butterfield

Sie steht in ihrer Hotelsuite am Fenster und schaut auf die Straße. Überall Straßencafés, Musik, Rosenverkäufer, sommerlich gekleidete Menschen auf der Jagd nach den frischen Sonnenstrahlen. Sie wendet den Blick ab und schaut auf ihre Hände.

Das Land ist überfüllt, die Mieten steigen. Hier muss eine Lösung gefunden werden. Die Finanzmärkte sehen nicht gut aus. Es gibt Entscheidungen, die man nicht auf die lange Bank schieben sollte. Welche Konsequenzen werden die Wahlen in den USA, der Brexit auf die Weltpolitik haben? Sollte man sich darauf vorbereiten? Sie muss noch einmal die Rede über die Flüchtlingsquoten durchgehen. Der Empfang heute Nachmittag steht an. Friseur, Festgarderobe, Maske – das Fernsehen ist dabei.

Ihr Ehemann ist bereits heute früh von einem Fahrer abgeholt worden. Er fährt zu einem Kongress nach Genf, dann nach Bruxelles. Er hat noch Probleme mit seinem Englisch. Sie selbst spricht mehrere Sprachen. Jeden Abend vor dem Schlafengehen hört sie eine Kassette mit „Arabisch lernen“. Vor der Abreise sagte er zu ihr: Sorge dich nicht ständig, lass los, dann kannst du Berge versetzen.

Der Tag ist überstanden. Sie steigt aus der Limousine, atmet die Sommergerüche ein. Der Wagen entfernt sich. Die Bodyguards bleiben vor dem Haus stehen. Die Wohnung ist leer, als hätte sie jemand mit dem Löffel ausgehöhlt. Sie nimmt ein Bad, danach geht sie in die Küche und wärmt sich das Gulasch, das die Köchin für sie vorbereitet hatte, in der Mikrowelle auf. Gulasch mit dunkler Soße und Serviettenknödeln. Ordentlich scharf mit Kümmel und Sahne. Plink, das Essen ist fertig. Sie setzt sich zu Tisch, atmet tief ein, piekt das erste kleine Stück Fleisch auf, führt es zum Mund und kaut nachdenklich. Es schmeckt heute besonders gut, trotz der Hitze. Diese Ruhe, nur die Luft flüstert leise. Sie kann ihre Kaubewegungen hören. Isst gemächlich, abwechselnd Knödel, Fleisch, Paprikastückchen. Nun ist nur die braune sämige Soße übrig. Langsam senkt sie den Kopf und tunkt ihre Zunge in die Soße hinein, (sie möchte den Zauber dieses Genusses nicht durch das Aufstehen und Löffel holen zerstören), schürzt die Lippen und schlürft, als wäre sie ein Staubsauger. Ihre Haare fallen seitlich hinab und bilden ein schützendes Zelt um den Teller. Sie schließt die Augen und taucht noch tiefer hinein. Saugt und schlürft, leckt und schmatzt. Ganz allein, in der Stille des Hauses, für diesen einen Augenblick lässt sie los.

© Karla J. Butterfield

„Der Berg bewegt sich“ – Eindrücke einer Lesung

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Die sieben Autoren konnten auch dieses Mal wieder mit einer breitgefächerten Auswahl an Texten ihr Publikum wunderbar unterhalten.

Von Kay Ganahl

Samstag, den 3. Dezember 2016, abends. Ich habe Janine Werners Atelier AndersARTig betreten, das in den Güterhallen Solingen liegt. Dort treffe ich auf frohe Betriebsamkeit. Erste Gäste sind schon eingetroffen. In mir steigt Vorfreude auf … Martina Hörle zeigt mir einen neuen Bildband mit Fotos von Andreas Erdmann, zu dem sie die Gedichte geschrieben hat, aber heute geht es um anderes. Wir von der Solinger Autorenrunde finden uns nämlich im Atelier AndersARTig ein, um unsere zweite Anthologie „Der Berg bewegt sich …“ erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren. Martina Hörle hat die Buchpräsentation organisiert, sie wird auch moderieren. Und ich muss mich jetzt sputen, was konkret heißt, die von mir mitgebrachten Buchexemplare von „Der Berg bewegt sich …“  auf dem Büchertisch zu platzieren. Dazu noch unser „Alles im Fluss …“ aus dem Jahr 2015, ebenfalls eine Anthologie. Ich sehe mich neugierig um – einer nach dem anderen trifft in dem Atelier, in welchem auch gerade die Werke von neun Bildkünstlern ausgestellt sind, ein.

Der Berg wird sich sehr bald bewegen … Fantasie und Realität zum Thema wurden in kurze Erzählungen, Geschichten und Gedichte, besonders auch in Märchen von den AutorInnen der Solinger Autorenrunde Karla J. Butterfield, Andreas Erdmann, Kay Ganahl, Saga Grünwald, Martina Hörle, Beate Kunisch und Christiane Trunk gegossen!

Nach eigener Wahl werden sie im Atelier einige Beiträge aus der Anthologie vorlesen. Und los geht es: Martina Hörle hat kurz anmoderiert. Zuerst liest Andreas Erdmann „´Ne Scherbe“. Insgesamt gut zwei Stunden lang dauert eine unterhaltsame Kette von geistreichen literarischen Texten. In anregenden Gesprächen und mit dem Signieren von Büchern findet der Abend ein schönes Ende.

Die aktuelle Anthologie der Solinger Autorenrunde „Der Berg bewegt sich …“ ist 168 Seiten dick, erschienen bei BoD. Neben den Texten haben auch zahlreiche S/W-Fotografien Platz zwischen den Buchdeckeln gefunden. Saga Grünwald baute Texte und Fotografien fachgerecht zum Buch zusammen. Sie erstellte auch das Cover. Und ich kümmerte mich für die Solinger Autorenrunde um die Herausgeberschaft.

Kay Ganahl im Dezember 2016

Buchpräsentation „Der Berg bewegt sich“

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Die Solinger Autorenrunde präsentiert ihre neue Anthologie.

In diesem neuen Werk wissen Karla J. Butterfield, Andreas Erdmann, Kay Ganahl, Saga Grünwald, Martina Hörle, Beate Kunisch und Christiane Trunk mit einfallsreicher und subtiler Lyrik, kurzen Erzählungen, Geschichten und vor allem Märchen zu überzeugen. Die Fantasie kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, dass der Berg sich bewegt.

Die Texte sind in Hochdeutsch und in Solinger Mundart geschrieben und mit zahlreichen Fotos und anderen Abbildungen optisch untermalt.

Am 3. Dezember 2016 um 19 Uhr in den Güterhallen
Atelier AndersARTig bei Janine Werner
Alexander-Coppel-Straße 40, 42651 Solingen

Der 2. Literarische Wandertag in Solingen – Wandern, aber literarisch!

In der Kulturlandschaft Deutschlands finden sich eher selten Dichterinnen und Dichter, die den Menschen ihre Werke „aus eigener Feder“ auf einer literarischen Wanderung anvertrauen.

Letztes Jahr hatte ich mich schon einmal dazu entschlossen, auf diese Art und Weise deutsche Literatur zu verbreiten. Der 1. Literarische Wandertag fand in Solingen statt. Damals führte der Wanderweg die AutorInnen des Freien Deutschen Autorenverbandes/NRW und der Solinger Autorenrunde von Solingen-Unterburg bis in den Brückenpark Müngsten.

Der 2. Literarische Wandertag am 28. August 2016, wieder in Solingen, verlief durch den Gustav-Coppel-Park über die Korkenziehertrasse bis in den Südpark.

Ich konnte dieses Jahr acht AutorInnen des FDA aus Nordrhein-Westfalen und der Solinger Autorenrunde sowie den Solinger Musiker und Poeten Bernd Möller für die Mitwirkung am Wandertag gewinnen, was mich sehr freute. Möllers Liedkunst bewegt die Menschen, denn sie bringt in einer Balance zwischen Melancholie und Heiterkeit häufig Gefühle zum Ausdruck, die jedermann in sich weiß. Mehrmals brachte er sich, wie schon letztes Jahr, mit seinen Liedern ein.

Thema im Jahr 2016 war „Stadtluft macht frei“. An acht verschiedenen „Lesepunkten“ wurde vorgelesen. Jede Autorin, jeder Autor hatte maximal fünfzehn Minuten Lesezeit zur Verfügung. Treffpunkt für den Beginn der Wanderung um 15 Uhr war das Coppelstift in der Solinger Wupperstraße. Hier gesellten sich auch schon die erste Gäste hinzu. Und los ging es – der diesjährige Weg war besonders abwechslungsreich! Er führte ja zunächst in den Gustav-Coppel-Park, eine sehr geschätzte Grünanlage, wo Menschen sich ungestört erholen und die Natur genießen können. Dieser Park ist nach dem bedeutenden Solinger Industriellen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert benannt worden. Weiter ging es über Korkenziehertrasse bis in den Südpark mit dem Alten Bahnhof, wo das Produktforum ansässig ist.

Kulturelles Erleben und Unterhaltung für AutorInnen und Gäste waren für mich das, was mit dem literarischen Wandern erreicht werden sollte, aber auch das Gemeinschaftserlebnis inmitten der Natur. Diese soll nicht nur die schöne Kulisse für die literarischen Darbietungen sein! Kultur und Natur gehören zusammen, und wem dies bewusst ist, kann die Natur mit größtem Vergnügen „literarisch erwandern“.

Martina Hörle – die bekannte Literatin, Journalistin und Veranstaltungsorganisatorin von der Solinger Autorenrunde – machte den Anfang mit ihrer Lesung auf der Aussichtsplattform mitten in der Grünanlage. Sie las unter anderem die Geschichte „Unhörbare Melodie“ – getragen von der melancholisch-heiteren Stimmung unter den Zuhörern, die ringsherum saßen. Mit „Nachbars Urlaub“ ging sie auf das zentrale Problem „Schein/Sein“ der menschlichen Existenz ein. Alsdann wanderten wir zum sehr beschaulichen Ententeich weiter, vor dem dann die Solinger Autorenrundlerin Beate Kunisch las. In „Schönes Wochenende“ erzählte sie davon, was eine Frau beim Kauf eines Bikinis erlebte. „Der Spatz“ war ein schönes, heiteres Gedicht. Den Pavillon im unteren Teil der Anlage hatte ich als Lesepunkt für Dr. Manfred Luckas aus Köln vorgesehen, den FDA-NRW-Landesvorsitzenden, der mit blitzgescheiten und fantasievollen Textcollagen aufwartete. Dr. Luckas wusste durch seine engagierte Darbietung gewissermaßen Asphalt und Wiese miteinander zu versöhnen. So las er auch Texte, in denen er seine Berliner Zeit thematisierte:„Sportpalast“ und „Summertime“. Am Hippergrund, Ausgang Klingenstraße, galt es dann auf die Korkenziehertrasse zu wechseln. Wie schön, dass der Wettergott uns seine Gunst nicht versagte! Zeitig und bestens gestimmt waren wir schon drauf und dran, die Treppe zur Trasse hochzugehen. Doch dann wurde entschieden, dass auch Christiane Trunk von der Autorenrunde unmittelbar auf der Trasse liest. Das tat sie dann mit ihrer ruhig-gelassenen Art des Vorlesens, für die sie bei den Solingern bekannt ist. Über den „Wilden Westen“ in einer deutschen Metropole reflektierte sie. In „Sommer in der Stadt“ erinnerte sie sich an Alltagsereignisse im „Abraxas“, der Düsseldorfer Szenekneipe. Aus Mettmann war die bekannte Künstlerin und Lyrikerin Maria Stalder angereist, die schon viele Jahre Mitglied im Freien Deutschen Autorenverband/NRW ist und auch im Landesvorstand saß. Vor Sitzbänken gegen den Autoverkehr im Hintergrund anlesend  – schließlich ist Solingen durchaus eine hektische Großstadt zu nennen, die eben der Stätten der Ruhe, Natur und Kultur bedarf – traf sie genau, worum es bei jeder literarischen Wanderung inhaltlich geht: Kultur/Natur als lange Schnittstelle, auf der wir Stadtmenschen uns alle vorsichtig bewegen müssen. Sie las unter anderem „Atmosphären der Stadt“: Über das, was am Rhein so geschieht, wenn sich dort die Bürger tummeln. Und weiter zog die Gruppe der Vorleser und Gäste auf der Korkenziehertrasse, wo auch an diesem Sonntagnachmittag der eine oder andere Radfahrer unterwegs war.

Am Gleisdreieck setzte ich, Kay Ganahl, mich auf eine der Bänke. Neben mehreren Gedichten las ich kritische Prosatexte vor, nämlich auch „Mit wilden, langen Schwingen“, ein Fantasy Short Short, in welchem Kampfdrohnen problematisiert werden und „He, Leute“. In letzterem wird – in etwas scherzhafter Form – die drohende Polkappenschmelze mit ihren Auswirkungen auf den Alltag der Menschen als Thema aufgegriffen. Die Thematisierung von derartigen Problemen kann immer besonders zum Nachdenken anregen. Der nächste Literaturpunkt war ein Rasenplatz mit hohen Bäumen an der Trasse. Er wartete schon auf seine Vorleserin … zu Anfang unserer Wanderung hatte ich erstmals die neue FDA-Kollegin Gigi Louisoder aus Bad Honnef begrüßen dürfen, deren literarische Direktheit beim Aufgreifen von Problemthemen der Gegenwartsgesellschaft hochinteressant ist. Ihre Geschichte „Gewissenlos“, die Vertrauen und Verrat zum Inhalt hat, las sie ruhig und gelassen vor, wodurch sie die Zuhörer ganz in den Bann der Geschichte ziehen konnte. Entlang den Ateliers und Galerien in den „Güterhallen“ wanderten wir dann, um zum Alten Bahnhof im Südpark zu gelangen, vor dem der Solinger Autorenrundler Andreas Erdmann dem 2. Literarischen Wandertag in Solingen einen sehr gelungenen literarischen Schlusspunkt mit seinen Beiträgen „Stell Stond“ und „Eine Reise nach Ea“ setzen konnte. So real und irreal zugleich die erfundene „Reise“ in der Geschichte auch auf den Zuhörer gewirkt hat, Erdmanns Leseauftritt unter dem Baum links vor dem Produktforum war jedenfalls höchst real. Gut ist, dass es so viele fantasiebegabte Literaten gibt! Gut auch, dass es Poeten wie Bernd Möller gibt, die ihre Texte dem geneigten Publikum singend mit der Gitarre darbieten, um damit dem 2. Literarischen Wandertag noch eine zusätzliche Note zu verleihen …

Kay Ganahl, Organisator

 

Besprechung der Veranstaltung – „Solinger Bote“

http://solinger-bote.de/nachrichten/2016/08/30/literatur-von-coppelpark-bis-suedpark/

Besprechung der Veranstaltung – „Solinger Tageblatt“

Literar WT 2016Artikel im ST

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 


 

 

 

 

„Gestalten der Geisterwelt“ – eine Nachbetrachtung

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Kay Ganahl

Freier Deutscher Autorenverband/NRW und Solinger Autorenrunde

„Nachmittags am 1. Mai: Welt der Geister“

Blog von Kay Ganahl

Wir wissen ja, dass manche Geister den Menschen zu jeder Tages- und Nachtzeit begegnen können. Die beeindruckenden Fähigkeiten von Geistern sind wahrhaftig ungeheuerlich. Und als ich daran ging, eine literarische Lesung zum Thema Geisterwelt zu organisieren, dachte ich sofort an die praktischen Möglichkeiten eben solcher Wesen … warum nicht an einem Nachmittag in einem Künstleratelier? Sie sollten – gewissermaßen – ihren Auftritt erhalten …

Heute berichte ich von der literarischen Lesung mit Musik, die ich neulich für den Freien Deutschen Autorenverband/NRW und die Solinger Autorenrunde organisierte. Sie trug den Titel „Gestalten der Geisterwelt. Ob mit Hexe, Troll oder Kobold …“ und fand in Herrn Peter Amanns Atelier in Solingen statt.

Im großen Galerieraum im Obergeschoss, wo gerade sechs Wuppertaler Künstler ihre Werke ausstellten, war das Ambiente gerade recht, um Geistern jeder Art und Form bestens Raum zu geben. Sie sollten hier allerdings nicht furchterregend-düster durch  Vorleser auch schauspielerisch Gestalt annehmen, keinesfalls! Kein billiger Horror! Denn es handelte sich darum, der anspruchsvollen Literatur zu Hexen, Trollen, Kobolden, besonders Vampiren und anderen mehr oder weniger absurden Geisterwesen Raum zur Entfaltung zu geben. Das hieß konkret: literarisches Vorlesen in Reinform – gegen Effekthascherei, die wir in der Fantasy immer wieder im Kulturbetrieb antreffen.

Und leicht konnten die im Lesen von Literatur langjährig erfahrenen Solinger Martina Hörle (stets in sehr lebendigem Kontakt mit dem Publikum), K. J. Butterfield (feen-fantastisch – mit kurzen Gedichten aufwartend) und Grünwald (lyrisch anspruchsvoll, ruhig vorlesend) – alle von der Solinger Autorenrunde – überzeugen. Die von mir auch moderierte Lesung wurde vom virtuosen Gitarristen Ulli Galden begleitet, der Eigenkompositionen und rechtefreie Musikstücke des Mittelalters (im Gewand seiner Interpretation) passend zum Thema spielte. Von unserem FDA-NRW hatte ich für „Gestalten der Geisterwelt“ meine Kolleginnen Rohna Buehler aus Bornheim, Dagmar Schenda aus Mülheim/R. als auch Halina M. Sega aus Gladbeck gewonnen! Die Literatur Nordrhein-Westfalens in Solingen bestens vertreten! Eine aparte Rohna Buehler fesselte durch einen gelassen und prägnant vorgetragenen Textauszug mit aus Bildern heraustretenden Geistergestalten. Dagmar Schendas intensive Weise des Vorlesens – in NRW trat sie ja besonders mit ihrer Vampirliteratur  hervor – stimmte auf mehr über das „Un-Leben“ von Vampiren in unserer Welt ein. Und …  Halina Monika Sega brachte uns schließlich ausdrucksstark bei, was Furcht vor Vampiren in der Lebenspraxis bedeutet, selbst wenn sie „nur“ auf dem Wege literarischen Vorlesens in die Realität tritt. Als einer in der Reihe meiner Schreiberfreundinnen und Kolleginnen las ich aus meinem neuen Buch „Fabian Redys Lesung“ vor, welches ich damit der Öffentlichkeit vorstellte.

Wichtig war an diesem Nachmittag natürlich auch, dass kein „aus Büchern tretender“ Vampir, Troll oder Kobold (und was es sonst noch so gibt) AutorInnen oder/und Publikum verschrecken konnte. Wieder war NRW-Literatur imstande, die Fantasie der Menschen anzuregen. Eine schöne Leistung.